Gibt es ein Geheimrezept für “supergeile” Werbeclips? Und brauchen Agenturen wirklich “Nachhilfe” von Google? Auf dem von Google und dem Art Directors Club (ADC) initiierten “Creator meets Creator”-Event diskutierten Dörte Spengler-Ahrens, Kreativdirektorin bei Jung von Matt, und Christoph Krachten, ehemaliger Geschäftsführer von Mediakraft, mit Werbetreibenden über YouTube und die Werbewelt.

Eine riesige Schlange vor der Lanxess-Arena, laute Musik und kreischende Teenager ‒ der Trailer zur neuen Dokumentation “Die YouTuber ‒ Stars einer neuen Generation” leitet die Panel-Diskussion mit Dörte Sprengler-Ahrens und Christoph Krachten im Rahmen des “Creator meets Creator”-Events in der Hamburger Google-Zentrale ein. Durch die Diskussion führt Boris Bullwinkel, selbst Inhaber der Kommunikationsagentur “Bullwinkel ‒ Kommunikation mit Herzblut”. 


 
Die im Trailer gezeigte Faszination der Teenager für ihre YouTube Stars kennt auch Dörte Spengler-Ahrens, die diese täglich bei ihrem eigenen Sohn erlebt: “Mittlerweile bin ich sogar selbst ein Fan von LeFloid”, gibt sie zu. Der 28-Jährige ist einer der erfolgreichsten YouTuber Deutschlands. Für Werbetreibende sei es ihrer Ansicht nach heute eine Pflicht, sich mit YouTube auseinanderzusetzen. “Guck’ was alle gucken. Sonst wird es schwierig, Kunden zu beraten”, so die Kreativdirektorin.

Die Bedeutung von YouTube Stars als Testimonials

Während Dörte Sprengler-Ahrens in ihrer Position als Kreativdirektorin bei Jung von Matt auf das Phänomen YouTube blickt, sieht Christoph Krachten die Videoplattform aus dem Blickwinkel des ehemaligen Geschäftsführers des Multi-Channel-Netzwerks Mediakraft, das zahlreiche YouTube-Channels vermarktet. So diskutieren die beiden unter anderem über die Bedeutung von YouTube Stars als Testimonials für erfolgreiche Werbekampagnen auf YouTube. Dörte Spengler-Ahrens betont hierbei jedoch, dass es nicht ausreiche, einem YouTuber einfach ein Produkt in die Hand zu drücken: “‘Creators’ allein sind als Testimonials nicht die Zukunft.” Dem stimmt auch Christoph Krachten zu: “Am Ende zählen die Inhalte und Formate, nicht die Personen”. 

Content ist King

Bei YouTube geht es also in erster Linie immer um Eines: Content zu erzeugen. Und es gibt die verschiedensten Arten, diesen der Zielgruppe zu vermitteln, ob mit Hilfe von Werbevideoanzeigen oder aber auch durch Musik-Clips, kurze Reportagen oder Tutorials auf den eigenen YouTube Channels. 

Die Möglichkeiten, die die “Spielwiese YouTube” Werbetreibenden bietet um sich auszuprobieren, sind nahezu grenzenlos. Ganz im Gegensatz zur TV-Werbung. So betont Christoph Krachten, dass YouTube die erste Plattform sei, auf der Content wirklich funktioniert habe, und zwar dank des einfachen YouTube-Algorithmus. Dieser sorgt dafür, dass gute YouTube-Videos besser gerankt werden als solche, die wenig angeschaut werden. Das bedeutet, dass im Prinzip die schlechteren Spots ganz einfach “verschwinden” oder gar nicht erst für den Nutzer sichtbar werden. Da sieht es bei TV-Werbespots, die jeder zu sehen bekommt, ganz anders aus: Auch schlechte Spots werden von der Masse gesehen und schlimmstenfalls zerrissen. 

Erfolge vorbereiten 

YouTube bietet also jede Menge Spielraum für Kreativität. Kreativität, die sozusagen planbar ist. Denn, wie Dörte Spengler-Ahrens es formuliert, ist es eine “unserer wertvollsten Leistungen zu wissen, was ein Populär Erfolg wird- Emotionen bei Menschen voraus zu ahnen ist sozusagen unser Beruf bzw. genau dafür das richtige Produkt herzustellen. Das Einzige was man tatsächlich nie vorhersagen kann, ist ob es ein Erfolg, ein Hit oder ein Mega Hit wird.” Werbeagenturen müssten ihre Kunden daher stets ermutigen, mehr als eine Sache zu probieren. 

Da es verschiedene Arten gäbe, Bewegtbild zu konsumieren, sei es für Werbetreibende wichtig, dass sie wissen, was sie erzählen sollen. Ein kreativer Austausch zwischen Google, Agenturen und Kunden sei daher nötig um herauszufinden, was alles möglich sei. So verneint Spengler-Ahrens auf Boris Bullwinkels Frage, ob die Agenturen im Rahmen der Kooperation zwischen Google und dem ADC “Nachhilfe bei Google nehmen” würden: “Austausch ist das Schlüsselwort. Nachhilfe halte ich für den falschen Begriff.” 

Das Fazit nach einem spannenden Diskussionsabend: Google und Werbetreibende müssen in einen kreativen Austausch treten. Wollen Werbetreibende erfolgreiche Kampagnen kreieren und ihr Publikum wirklich erreichen, kommen sie an dem Phänomen YouTube nicht länger vorbei ‒ andererseits lebt YouTube-Werbung auch von den Ideen der Kreativen.