Urs Hoelzle, Suchmaschinenguru und Senior Vice President of Infrastructure bei Google, erklärt, warum Geschwindigkeit für Suchergebnisse so entscheidend ist. Nutzer von Suchmaschinen, Videos und dem Internet im Allgemeinen klicken schnell weg, wenn etwas zu lange dauert – selbst wenn es sich nur um Sekundenbruchteile handelt. Hoelzle erläutert, wie dies die Produktentwicklung bei Google beeinflusst, und stellt heraus, wie wichtig es ist, alles zu eliminieren, was die Ergebnisse verzögern kann.

Wählen Sie eine Suchanfrage, egal welche. Zum Beispiel: „Wetter, New York City.“ „Russische Literatur des neunzehnten Jahrhunderts.“ „Wann ist der Super Bowl 2015?“ Geben Sie sie jetzt in das Suchfeld von Google ein. Noch während Sie tippen, sagen wir bereits den Rest der Suchanfrage voraus, durchsuchen Milliarden von Webseiten, erstellen eine Rangordnung der Websites, Bilder, Videos und Produkte, die wir finden, und präsentieren Ihnen die allerbesten Ergebnisse. Der gesamte Prozess dauert in den meisten Fällen weniger als eine Zehntelsekunde, ist also praktisch sofort beendet.

Wenn nicht, bekommen wir es zu spüren. Unsere Forschungen zeigen, dass die Menschen weniger suchen, wenn sich die Suchergebnisse nur um Sekundenbruchteile verzögern. (Für die Datenliebhaber unter uns: Bei einer Verzögerung um 400 Millisekunden reduziert sich das Suchvolumen um ganze 0,44 %.) Und diese Ungeduld beschränkt sich nicht nur auf die Suche: Vier von fünf Internetnutzern klicken weg, wenn der Ladevorgang für ein Video ins Stocken gerät. Aber obwohl die menschliche Aufmerksamkeitsspanne erstaunlich gering geworden ist, ist der Großteil des Internets immer noch langsam. Der Ladevorgang für eine durchschnittliche Website dauert 4,9 Sekunden – in einer Welt, in der Sekundenbruchteile zählen, ist das eine halbe Ewigkeit.

Das Internet ist eine wichtige Drehscheibe für Politik, Schulen und Unterhaltung geworden. Jedes Unternehmen ist ein digitales Unternehmen, egal ob groß oder klein, lokal oder multinational. Warum ist es dann okay, dass es fünf Sekunden dauert, eine Webseite zu laden? In den USA gibt es 245 Millionen Internetnutzer. Wenn jeder von ihnen fünf Sekunden warten muss, verschwenden wir fast 39 Jahre ihrer Zeit.

„Schnell ist besser als langsam“ ist bereits seit unseren Anfängen ein Google Mantra – und ist heute wichtiger denn je. Das Internet ist Motor für Wachstum und Innovation, deshalb setzen wir alles daran, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Geschwindigkeit ist nicht nur ein Merkmal, es ist das entscheidende Merkmal.

Um unserem „Credo der Geschwindigkeit“ gerecht zu werden, halten wir uns immer an eine grundlegende Regel: Es werden keine Funktionen gelauncht, die uns langsamer machen. Du kannst eine großartiges neues Feature entwickeln, aber wenn es die Suche verlangsamt, musst Du es entweder vergessen oder so verbessern, dass die Verlangsamung mehr als wettgemacht wird. Für diese Fälle haben wir ein sogenanntes „fixes Latenzbudget“ und das funktioniert ungefähr so wie ein Familienbudget: Wenn man sich etwas Besonderes leisten möchte, aber das Budget dafür nicht ausreicht, muss man eben woanders sparen.

Dieses einfache Konzept treibt die vielen Entwickler und Produktmanager bei Google zu Höchstleistungen an. Es ist der Grund dafür, dass selbst wenn Sie in einer der abgelegensten Regionen der Welt eine Google-Suchanfrage starten, Ihnen die Suchergebnisse aller Voraussicht nach über Computer in der Nähe geliefert werden. Wir arbeiten an der Zwischenspeicherung von Daten in lokalen Rechenzentren, damit Google in San José in Argentinien oder San José in Costa Rica nahezu genauso schnell ist wie in San José in Kalifornien.

Da Geschwindigkeit für uns Priorität hat, haben wir in vielen unserer Entwicklerbüros Dashboards mit Echtzeit Performance-Daten, damit die Teams jederzeit einen Überblick über die Latenzzeiten all unserer Services haben. Deshalb haben wir vor einigen Jahren auch die Warnstufe gelb ausgerufen, als wir es nicht schafften, unseren Prinzipien treu zu bleiben, und alles langsamer wurde. Wir forderten alle Entwickler und Produktmanager in wichtigen Produktteams dazu auf, alles sofort stehen und liegen zu lassen und an der Erhöhung der Geschwindigkeit zu arbeiten. Die Geschwindigkeit ist einfach ein wichtiger Teil unserer Engineering-Kultur.

Allerdings bringt auch die schnellste Suche nichts, wenn man dann auf ein Ergebnis klickt und alles wieder sehr langsam läuft. Deswegen investieren wir auch so viel darin, das gesamte Internet schneller zu machen. Google Analytics misst, wie schnell eine Website ist und wie sich dies auf ihre Nutzung auswirkt. Wir sind führender Partner von Page Speed, einem Open-Source-Projekt, das Webmastern hilft, ihre Websites schneller zu machen – das Page Speed-Tool kann Seiten sogar umprogrammieren , um die Performance zu verbessern. Wir experimentieren auch mit einem Page Speed-Service, der automatisch die Ladezeiten von Seiten reduziert, ohne dass Code-Änderungen notwendig sind. Alleine die Umleitung einer Seite über den Service macht sie schneller.

Es gibt noch viele andere Dinge, die wir unternehmen, um das Internet schneller zu machen. Wir arbeiten zum Beispiel mit der Internet-Community zusammen, um Standards wie HTML und TCP/IP und die wichtigsten Netzwerkprotokolle wie DNS, TCP, SSL und HTTP zu aktualisieren und die Geschwindigkeit von JavaScript zu verbessern.

Wenn Sie einen schnelleren Service bieten, nutzen ihn mehr Verbraucher. Und wenn Verbraucher Ihr Angebot intensiver nutzen, klicken und kaufen sie auch mehr.

Unser Open-Source-Browser Chrome ist jetzt sechs Mal schneller als die erste Version vor drei Jahren. Er lädt bestimmte Webseiten bereits während der Suche, so dass wenn ein Nutzer den entsprechenden Link anklickt, die Seite sofort geladen wird. Seitdem es Chrome gibt, sind auch andere populäre Browser wie Firefox, Explorer und Safari schneller geworden.

Und in diesem Jahr haben wir auch unsere Pläne zum Aufbau eines Glasfasernetzes mit ultrahoher Bandbreite in Kansas City (teils in Missouri, teils in Kansas) angekündigt, das Einwohnern einen 100 Mal schnelleren Internetzugang bieten wird, als ihn zur Zeit die meisten Amerikaner haben. Wir hoffen, dass dieses Projekt genauso wie Chrome andere Internetanbieter dazu veranlasst, ähnliche Verbesserungen vorzunehmen.

Die Geschwindigkeit macht einen Unterschied. Als Edmunds, ein führendes Portal für Autobewertungen, seine Website insideline.com überarbeitet hat, um die Ladezeiten von 9 Sekunden auf 1,4 Sekunden zu senken, stiegen die Anzeigeneinnahmen um 3 % und die Page Views pro Session um 17 %. Als Shopzilla die Latenzzeit von 7 Sekunden auf 2 Sekunden reduzierte, stiegen die Umsätze um 7 bis 12 % und die Page Views erhöhten sich sprunghaft um 25 %. (Übrigens hat Shopzilla seine Hardwarekosten um 50 % gesenkt.) Wenn Sie einen schnelleren Service bieten, nutzen ihn mehr Verbraucher. Und wenn Verbraucher Ihr Angebot intensiver nutzen, klicken und kaufen sie auch mehr.

Wir müssen unsere Erwartungen trotzdem höher stecken. Bei Google werden wir so lange weiterarbeiten, bis das Internet ohne jede Verzögerung genutzt werden kann. Wir möchten, dass eine Website sofort geladen wird, wenn Sie auf einen Link klicken, und dass, wenn Sie ein Video starten, es ohne Verzögerung abgespielt wird. Welche erstaunlichen Dinge wären dann alles möglich? Und was würde noch alles erfunden werden?

Ich weiß es nicht. Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass wir diese Zukunft möglichst schnell erreichen möchten.