Das Internet von heute und die Apps sind das Ergebnis von guten Ideen und Innovationen, die wiederum Innovationen bei anderen auslösen. Allison Mooney von Google befasst sich eingehend mit der Welt der APIs. Das sind Apps, die auf der Funktionalität bestehender Web-Services aufbauen, als Beispiele, wie technologische Neuerungen ihre Vorteile einfach weitergeben können.

Woher kommen gute Ideen? Von anderen Leuten, meistens jedenfalls. Morse, Bell, Farnsworth, Ford und Gates - keiner von ihnen hat etwas komplett von der Pike auf erfunden. Sie haben alle ihre Ideen auf vorhandenen Ideen aufgebaut und das Ergebnis dann zur richtigen Zeit und in der richtigen Art und Weise vermarktet.

Auch das Web ist eine iterative Innovation: Eine massive, mehrschichtige, gemeinschaftliche Plattform, die auf Open-Source Code, Hacks, Memen und Mashups aufbaut. All das entsprang nicht aus einem einzelnen, großartigen Gehirn. Und - zum Teil dank der produktiven Publikation von APIs (Anwendungsprogrammierschnittstellen), wird es auch nie so sein. Durch APIs können Drittentwickler die Funktionalität eines bestehenden Web-Services nutzen und somit allen die Fähigkeit geben, auf die guten Ideen des Webs aufzubauen.

Auf eine Art kann man APIs als eine Art Sprungbrett für Innovation betrachten, im Gegensatz zur Erfindung. Urheber können etwas nutzen, das schon existiert und es dann auf eine originelle, bisher ungeahnte Art und Weise präsentieren. Doch die heutige Welt ist so schnelllebig, und jeder digitale Vermarkter will das Neueste - da werden sie oftmals übersehen.

Tatsache ist, dass jede vorhandene API unendlich viele neue Verwendungen anbieten kann. Foursquare wurde in alles Mögliche verwandelt, von einem Ehestifter bis zu einem Hundefutterspender (siehe unten). Es gibt Tausende von Applikationen, die sich Googles APIs zunutze machen. Dasselbe gilt für Twitter. Ein Großteil von Twitters Erfolg und Traffic hat mit dem diversifizierten Ökosystem von Apps zu tun, die daraus entstanden und es neu verpackten und auf andere Verwendungen und Zielgruppen zuschnitten.

„Das Web ist eine interaktive Innovation: Eine massive, mehrschichtige, gemeinschaftliche Plattform, die auf Open-Source Code, Hacks, Memen und Mashups aufbaut.”

Vermarkter merken, dass sie das Software-Rad nicht neu erfinden müssen. „Durch APIs wird Entwicklungssoftware schneller, günstiger und leichter”, sagt Rick Webb, dessen Agentur Barbarian Group sich bei Kundenprojekten oft auf APIs stützt. Sie können sich sofort mit großen Online-Communities verbinden und setzen bewährte Services und vorhandene Verhalten wirksam ein. „Und außerdem hat schon vorher jemand all die Tests in Bezug auf UX [„user experience”; Benutzererfahrung] für dich erledigt.”

Gute APIs stellen auch wertvolle Daten und Analytiken zur Verfügung. „Solange Marken APIs korrekt nutzen, können sie auf eine unglaubliche Menge an Daten zugreifen, und das auf nahtlose Art und Weise”, sagt Nick Parish vom Contagious Magazin. Er verweist auf ein aktuelles Beispiel von RDTN.org, eine von mehreren Websites, die schnell live gingen, um über die Radioaktivitätswerte in Japan Daten von Pachubes API zu nutzen. Die API aggregiert Lesungen von Erkennungsgeräten und veranschaulicht die geografische Verteilung in einem Google Maps Mashup. Parish glaubt, dass „Vermarkter auf Echtzeit-Datenquellen zugreifen sollten, um zeitnah mit Menschen zu interagieren”.

Es kann eine Herausforderung sein, das riesige vorhandene Angebot an Tools und die Umsetzbarkeit zu verstehen. Es ist wichtig, dass Software-Unternehmen Marken technische Beratung und kreative Inspiration zur Verfügung stellen. Googles ZOO hilft Marken und Agenturen dabei, das Potenzial der Google / YouTube-Plattform sowie die Technologien und kreativen Ressourcen kreativ und effektiv zu nutzen. Blogs wie Programmable Web und Mashable stellen großartige Ressourcen für kreative Entwickler dar.

Protektionismus kann auch API-Erstanwender abschrecken. Es gehört Vertrauen dazu, um auf der Plattform anderer aufzubauen, vor allem, wenn diese auch mit sozialen Daten handelt. „Ich glaube, es ist für viele Vermarkter schwierig, mit Einflussgrößen umzugehen, die man nicht gänzlich kontrollieren kann und mit denen man dann versucht, seine Nachricht rüberzubringen”, erklärt Parish. Aber das wird schnell schon unumgänglich. In der Vergangenheit war eine protektionistische Strategie lukrativ, heutzutage wirkt sie nur lähmend. Um Innovationen zu bieten, müssen Marken loslassen können.

Ein Teil des Öffnens besteht auch darin, an neuen Stellen nach Wissen zu suchen. Die traditionellen Schlüsselwerte für Innovation waren Dienstalter und Erfahrung. Man musste einen gewissen Grad an Erfahrung haben, um Dinge zu verbessern. Doch heutzutage haben junge Leute den Pluspunkt - sie wachsen schon mit PCs und Handys auf; das digitale Zeitalter steckt in ihrer DNS. Marken, die jetzt mutig genug sind und sich von unten an der Leiter Hilfe suchen, werden heutzutage die Leiter am schnellsten erklimmen.

Das Web ist eine interaktive Innovation: Eine massive, mehrschichtige, gemeinschaftliche Plattform, die auf Open-Source Code, Hacks, Memen und Mashups aufbaut. All das entsprang nicht aus einem einzelnen, großartigen Gehirn.

Fünf ungewöhnliche und bemerkenswerte Projekte, die anhand von offenen APIs entstanden

<dl><dt>"CHECK IN, SNACK OUT"</dt><dd>Der deutsche Hundefutterhersteller GranataPet kreierte Werbeplakete mit Automaten, die beim Einchecken bei Foursquare Hundefutter-Proben ausschütten. Man checkt sich also auf der Foursquare Mobile-App direkt vor dem jeweiligen Werbeplakat ein, und der Server steuert ein schwarzes Kästchen, das daraufhin kostenlose Hundefutter-Proben ausschüttet. Viel besser als ein Abzeichen.</dd><dt>INSTAPRINT</dt><dd>Falls die Foto-Sharing App Instagram nostalgische Gefühle nach Polaroidfotos bei Ihnen wachruft, dann probieren Sie doch Instaprint. Der von Breakfast NY kreierte Fotoautomat verwendet die Instagram API, um Fotos auszudrucken, die mit einem speziellen Ort oder Hashtag markiert wurden. Bonus: Die Abzüge benutzen die ZINK-Technologie, die Sofortbilder so schmeichelhaft erscheinen lassen.</dd><dt>FORAGE</dt><dd>Ein Mashup zwischen Twitter, YouTube und Hunchs "Taste Graph". Forage erstellt eine personalisierte Songliste für Sie, basierend auf den Personen, denen Sie bei Twitter folgen. Geben Sie Ihren Twitter-Namen ein und wählen Sie eine Musikrichtung, dann generiert die Website eine Songliste mit 20 YouTube-Musikvideos für Sie.</dd><dt>TWEET WRAP</dt><dd>Über die Feiertage haben Samsung und seine Agentur, Barbarian Group, die Twitter API genutzt, um analog zu gehen und dabei ein wenig festliche Stimmung aufkommen zu lassen. Mit ihrer "Tweet Wrap"-Promotion kann man anwenderspezifisches Geschenkpapier mit Tweets von speziellen Hashtags oder Handles erstellen. </dd><dt>LINKEDOUT</dt><dd>Passend zum Slogan "Nogal vol van zichzelf" ("ziemlich von sich eingenommen"), verwendet diese App für Volkswagens Passat in Holland die LinkedIn API, um Arroganz zu messen. Fordern Sie Ihr Netzwerk heraus (Wer hat mehr Connections? Empfehlungen?), und der Kopf Ihres Avatars wird mit jedem Sieg größer.</dd></dl>