Als Produktredakteur von Wired muss Jeremy White immer über die aktuellen Kundentrends informiert sein. Er setzt sich täglich mit den neuesten technischen Entwicklungen auseinander und weiß daher genau, was in der digitalen Welt passiert. Hier stellt er fünf Trends vor, die Werbetreibende kennen müssen, wenn sie auch in Zukunft potenzielle Kunden erreichen wollen.

Wir bei Wired haben beobachtet, dass Kunden digitale Technologien als Erste für sich entdecken. Die Werbetreibenden hinken da meist etwas hinterher. Das ist nicht überraschend. Als Werbetreibender sollten Sie aber keine Angst davor haben, zu schnell auf Trends zu reagieren und dadurch Fehler zu machen. Probieren Sie einfach unterschiedliche Methoden aus. Versuchen Sie, möglichst schnell herauszufinden, ob Ihre Lösung funktioniert. Wenn nicht, versuchen Sie es auf andere Weise. Mit den folgenden fünf digitalen Trends sollten sich Werbetreibende jetzt auseinandersetzen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten.

1 – Mehr Luxusartikel im digitalen Bereich

Traditionell sind Luxusartikel im digitalen oder Onlinemarketing nicht gerade stark vertreten. 40 % aller Luxusmarken werden gar nicht im Internet angeboten. Die Unternehmen möchten nicht die Kontrolle über ihre Produkte verlieren und befürchten, dass die Markensicherheit nicht gewährleistet ist. Ein weiteres kritisches Thema ist die Preistransparenz. Die YOOX-Gruppe hat sich auf das Onlinegeschäft mit hochwertigen Produkten der vorangegangenen Saison spezialisiert. Hier kann man sehen, welche großen Chancen der digitale Handel mit Luxusartikeln bietet. Andere Marktteilnehmer haben zweifellos Notiz von den hervorragenden Ergebnissen von YOOX genommen: Im Jahr 2014 belieferte das Unternehmen 1,8 Millionen Kunden in mehr als 100 Ländern und erzielte so einen Umsatz von 524 Millionen Euro.

2 – Die zunehmende Bedeutung des Chief Digital Officers

Auch LMVH ist ein gutes Beispiel für den Trend zum Luxus im digitalen Bereich. Dieses wirtschaftliche Schwergewicht hat gerade erst seinen ersten Chief Digital Officer ernannt – eine Entwicklung, die an sich schon bemerkenswert ist. Bis zum Ende des Jahres werden 25 % aller Unternehmen einen Chief Digital Officer haben. Im Jahr 2011 gab es weltweit gerade einmal 75 CDOs.

Gartner schätzt, dass die Marketingabteilungen in fünf Jahren mehr Geld für IT ausgeben werden als die Chief Information Officers (CIOs). Der Chief Digital Officer wird das Bindeglied zwischen Technologie und Marketing sein. Anders als CIOs beschäftigen sich CDOs nicht mit der Technik, sondern damit, wie Daten entstehen, wohin sie weitergeleitet und wie sie genutzt werden. So erhalten sie einen Überblick über alle digitalen Touchpoints im ganzen Unternehmen und können sich ein besseres Bild davon machen, wie gut die Kundenerfahrung ist.

3 – Neue Bezahldienste verändern die Transaktionsprozesse

Bitcoin, Google Wallet und Samsung Pay – ein Bezahldienst, über den seit seiner Einführung in Südkorea Transaktionen in einem Gesamtwert von mehr als 30 Millionen US-Dollar abgewickelt wurden – sind gute Beispiele für die zunehmende Bedeutung von neuen Bezahldiensten. Für Werbetreibende ist dies ein besonders wichtiger Trend, mit dem sie sich so schnell wie möglich auseinandersetzen sollten. Die Technologie steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch die Entwicklung schreitet schnell voran. Und die Nutzer werden sehr bald auf diese neuen Dienste umsteigen – oder haben es bereits getan.

4 – Crowdfunding: nicht nur für Start-ups

Sehr viele etablierte Firmen nutzen Crowdfunding-Plattformen für Forschung, Entwicklung, Marketinganalysen und Werbung – und das kostenlos. Hier findet man nicht nur junge Unternehmen, sondern auch solche, die bereits seit Jahrzehnten am Markt sind und testen, ob Kunden tatsächlich an ihren Produkten interessiert sind.

5 – Die virtuelle Realität wird zur Kundenrealität

Oculus, der Anbieter von Virtual-Reality-Brillen, hatte mit Crowdfunding riesigen Erfolg. 2012 präsentierte sich das Unternehmen auf Kickstarter. Das Launchvideo erzielte 560.000 Aufrufe auf YouTube. 10.000 Fans stellten 2,5 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Das waren 947 % der vom Unternehmen als Ziel genannten Summe.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum man Oculus im Auge behalten sollte. Virtuelle Realität ist eine wichtige Entwicklung, die Marketingteams nicht verpassen dürfen. Ob Google Cardboard oder HTC Vive: Virtuelle Realität wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Und dabei geht es nicht nur um Spiele. Menschen werden virtuelle Einkaufszentren, Galerien, Events, Kinos und Konzerte besuchen. Hier werden sich großartige Chancen ergeben, potenzielle Kunden in der virtuellen Realität anzusprechen und zu erreichen.