In der Ausgabe von "Digitale Sternstunden" für diesen Monat beschäftigt sich John Boiler, Gründer von 72andSunny, mit digitalen Kampagnen von Unternehmen wie Target and Topman, durch die sich das Einkaufen grundlegend ändert. Im Zusammenhang mit Einzelhandel und Mobiltechnologien stellt er sich die Frage, ob die Nutzung dieser Technologien zum Niedergang des Shoppings führt oder Chancen für eine neue Art der physischen und virtuellen Interaktion eröffnet.

Autor des Monats
Sehen Sie sich die Creative Sandbox-Kampagnen an, die wir ausgewählt haben.


Zuständig für diese Ausgabe ist John Boiler, Gründer von 72andSunny.

Von Einzelhändlern ist häufig zu hören, dass sie stark unter Druck stehen. Die Zahl der Onlineplattformen und Shopping-Apps steigt stetig und schnell und die Nutzer verbringen immer mehr Zeit an ihren Geräten. Sie suchen nach Alternativen und günstigen Angeboten, anstatt Regale zu durchforsten, und entdecken neue Artikel für ihren Einkaufswagen. Bedeutet das den Untergang des Einzelhandels oder ist es eine Chance?

Niemand behauptet, dass diese neuen mobilen Möglichkeiten das greifbare und zumeist inspirierende Shoppingerlebnis in einem Ladengeschäft ersetzen. Dennoch verändern und bereichern sie das Einkaufen, ganz abgesehen davon, dass der Einkaufsvorgang beschleunigt wird und wir Artikel zu günstigeren Preisen finden.

Im Idealfall unterstützt ein mobiles Shoppingerlebnis die Wohlfühleffekte, die wir empfinden, wenn wir im Ladengeschäft stöbern, interessante Stücke finden und ein Schnäppchen machen. Nachdem inzwischen effizientes digitales Einkaufen auch mit Mobilgeräten möglich ist, legen Einzelhändler und Programmierer noch einmal nach und machen das Smartphone zu einem Instrument, mit dem wir recherchieren, Anregungen finden und uns unsere Wünsche augenblicklich erfüllen können. Das Smartphone fungiert oft sogar als Shoppingassistent. Das traditionelle Shoppingerlebnis im Einzelhandel verändert sich also und entwickelt sich weiter. Wir beobachten interessante neue Formen der physischen und virtuellen Interaktion.

Es gibt viele neue mobile Tools, die das Einkaufen zu jedem Zeitpunkt – von der Inspiration bis zur Transaktion – müheloser und unterhaltsamer machen. Ist das die Rettung? Bevor wir näher auf einige interessante Beispiele aus der Praxis eingehen, möchte ich hier ein paar Tipps geben, die sich bewährt haben.

Einfache Gestaltung: Kein Nutzer eines Mobilgeräts möchte sich mühsam durchklicken müssen. Jeder will schnell Informationen, Entscheidungshilfen, Anregungen oder Unterhaltung finden. Tragen Sie den Bedürfnissen der Nutzer Rechnung und verschwenden Sie deren Zeit nicht. Planen Sie mobile Apps und Tools entsprechend.

Ansprechende Gestaltung: Ein Gerät, das immer eingeschaltet ist und den Nutzer ständig begleitet, kann das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft ergänzen und ist stets einsatzbereit. Es gibt unzählige Apps und Websites, über die bestimmte Artikel oder günstige Angebote gefunden werden können. Entscheidend bei solchen Apps ist, dass sie Freude bereiten oder ein Überraschungselement bieten.

Zukunftsfähige Gestaltung: Bevor Sie in die Entwicklung investieren, sollten Sie sich Gedanken über die Lebensdauer der Plattform machen. Bietet sie eine dauerhaft positive Nutzererfahrung? Kann sie längerfristig dazu beitragen, das Geschäft anzukurbeln oder die Marke zu fördern? Kurzlebige Erfahrungen können kostspielig und für Nutzer verwirrend sein. Letztendlich verspielen Sie damit Vertrauen.

Die folgenden Kampagnen sind großartige Beispiele für den Weg, auf dem wir uns bewegen, und ich bin gespannt, wohin uns dieser Weg noch führt.


<big><big>Beispiel Nr. 1</big></big> <big><big>Personal Shopping von Topman </big></big>

Topman launches new personal shopping service

Diese App beruht auf der Erkenntnis, dass für optimale Betreuung ein Gespräch erforderlich ist und dass ein Algorithmus nicht immer die zuverlässigste Beratung gewährleistet. Deshalb bietet die App eine persönliche Kontaktmöglichkeit: einen Service, bei dem Kunden per Videochat mit Stylisten zusammengebracht werden. Ich bin sicher, dass diese Kombination aus realer und virtueller Interaktion zukunftsträchtig ist.

<big><big>#2</big></big> <big><big> Der Inspiration Corridor von Klépierre </big></big>

The Inspiration Corridor gives customers digital product selections

Besucher des Einkaufszentrums, die in den Inspiration Corridor eintreten, werden von Kopf bis Fuß gescannt. Anschließend werden ihnen anhand ihrer Kleidung und des aktuellen Bestands Artikel vorgeschlagen. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, wie virtuelles Shopping aussehen könnte – trotz möglicher Fragen im Hinblick darauf, inwieweit wir Persönliches für ein solches Shoppingerlebnis tatsächlich preisgeben möchten.

<big><big>#3</big></big> <big><big>Bullseye’s Playground von Target </big></big>

Target creates an interactive winter campaign in its stores

Für das Weihnachtsgeschäft entwickelte Target attraktive mobile Spiele. Im Mittelpunkt stand dabei das Bullterriermaskottchen Bullseye, das noch attraktiver – d. h. besser – wird, wenn Kunden das Geschäft betreten. Damit wurde den Target-Kunden während des Weihnachtsgeschäfts ein unterhaltsames Einkaufserlebnis voller Überraschungen geboten.

<big><big>#4</big></big> <big><big>Volvo Reality </big></big>

Google Cardboard creates a virtual reality for Volvo's newest model

Um das Interesse am noch nicht eingeführten XC90 zu wecken, entwickelte Volvo eine App, die Nutzern in Verbindung mit der Google Cardboard virtuelle Fahrten ermöglicht – die ultimative Produktvorführung, bei der man eine Probefahrt macht, ohne den Verkaufsraum betreten zu haben.