Für Tim O'Reilly steht der Spaß an erster Stelle, noch vor den unternehmerischen Aspekten. Er argumentiert, dass man das Potenzial von Technologien am besten ausschöpfen kann, wenn man Spaß dabei hat. Als Beispiele führt er vergangene Erfolgsgeschichten im technologischen Bereich wie den Computer, das World Wide Web und den Touchscreen an.

Ein alter Mythos besagt, dass neue Unternehmen entstehen, wenn kreativ denkende Unternehmer mit neuen Geschäftsideen auf Wagniskapitalgeber treffen. Tatsächlich ist es jedoch anders. Neue Unternehmen werden durch Menschen ins Leben gerufen, die an dem, was sie tun, Spaß haben.

Die meisten Personen, die vor dreißig Jahren zur Entstehung der PC-Branche beigetragen haben, waren keine Unternehmer. Es handelte sich um Kids, die die Möglichkeit, einen eigenen Computer zu besitzen, extrem spannend fanden. Das Programmieren war für sie wie eine Droge – vielleicht sogar noch besser als eine Droge oder als in einer Rockband mitzuspielen. Und ganz sicherlich ein besserer Job als jeder andere, den sie sich vorstellen konnten. Genau diesem Bild entsprach der Homebrew Computer Club, der Mitte der 1970er Jahre in Silicon Valley gegründet wurde und dem unter anderem Steve Jobs und Steve Wozniak angehörten. Hier konnten Menschen, die Spaß am gleichen Thema hatten, gemeinsam an Projekten arbeiten und ihre Kenntnisse erweitern.

Das World Wide Web entstand auf genau die gleiche Art und Weise. Zunächst glaubte niemand ernsthaft, dass sich damit Geld verdienen ließe. Es ging um den Spaß an der Zusammenarbeit, den Spaß daran, schnell auf einen Link zu klicken und eine Verbindung zu einem anderen Computer herzustellen, der eine halbe Weltreise entfernt war. Und es ging darum, anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, ähnliche Erfahrungen zu machen. Wir standen leidenschaftlich hinter dem, was wir taten. Nur ein paar von uns dachten auch unternehmerisch.

Und diese Unternehmer waren es, die erkannten, dass dieses Konzept, das von Leidenschaft und Gemeinsamkeit getrieben wurde, einen neuen Wirtschaftszweig begründen könnte. Hierzu zählten im PC-Bereich Bill Gates, Steve Jobs und Michael Dell sowie im Web-Bereich Jerry Yang, David Filo, Pierre Omidyar, Jeff Bezos, Larry Page und Sergey Brin. Sie fanden Unterstützer, machten aus dem Spielzeug ein Tool. Sie bauten die Unternehmen auf, die eine Bewegung in eine Branche verwandelten.

Dieser Übergang von Enthusiasten zu Unternehmern spiegelt sich aktuell in der Maker-Bewegung wider – eine immer breiter werdende spielerische Beschäftigung mit Sensoren, Robotern und 3D-Druckern, die sich jahrelang unbemerkt vor der Nase der Wagniskapitalgeber entwickelt hat.

Zunächst glaubte niemand ernsthaft, dass sich mit dem Internet Geld verdienen ließe. Es ging um den Spaß an der Zusammenarbeit. Wir standen leidenschaftlich hinter dem, was wir tun. Nur ein paar von uns dachten auch unternehmerisch.

2005 begannen wir, die Zeitschrift Make: herauszugeben, und in den ersten Ausgaben wurden unter anderem die folgenden Projekte beschrieben: James Larssons programmierbares Katzenfütterungsgerät, das aus einem alten Videorekorder gebaut wurde. Charles Bentons Vorrichtung für Luftaufnahmen von Drachen. Und eine von einem Elektroschocker betriebene, leistungsfähige, durchsichtige Kartoffelkanone.

Als wir 2006 die erste Maker Faire veranstalteten, wurden dort eine lebensgroße Version des Spiels „Mouse Trap“ sowie Fahrräder aus Bambus gezeigt. Es gab einen Jahrmarkt mit pedalbetriebenen Versionen traditioneller Fahrschäfte. Außerdem wurden Heimwerkerprojekte vorgestellt – so präsentierte die Alameda-Contra Costa Computer Recycling Society einen mit Biodiesel betriebenen Linux-Supercomputer, der aus wiederverwerteten PCs hergestellt worden war.

2011, als die Faire bereits 100.000 Besucher anzog (die meisten von ihnen waren Familien, die Spaß an Entdeckungen und Erfindungen hatten), kamen auch bekannte Wagniskapitalgeber. Sie verteilten Visitenkarten und umwarben die Unternehmer, die wie durch Zauberhand aus diesem chaotischen Haufen hauptsächlich spaßinteressierter Leute hervorgegangen waren.

DIY-Dronen (selbst angefertigte unbemannte Luftfahrzeuge), MakerBot (ein 3D-Druckersatz), die Sensor- und Kontrollplattform Arduino, der Teilezulieferer Sparkfun Electronics, Adafruit Industries, Shopbot und zahlreiche andere kleine Unternehmen verzeichneten plötzlich Umsätze in Höhe von mehreren Millionen Dollar. Für sie war es an der Zeit für einen Kapitalzuschuss, um ihre selbst aufgebauten Firmen weiter voranzubringen.

Man könnte sogar argumentieren, dass der erste Durchbruch im Bereich des Multi-Touch-Computing nicht das iPhone war, sondern Jeff Hans selbst gebauter, großformatiger Multi-Touch-Bildschirm. Dieser versetzte die Besucher der TED-Messe und O’Reillys Emerging Technology Conference 2006 in Erstaunen. (Han verkaufte diese Geräte später an Medien wie CNN.)

Im Rahmen des Open Hardware Summit, der 2011 zusammen mit der Maker Faire in New York ausgerichtet wurde, beklagte sich ein Besucher darüber, dass keine Tech-Medien-Vertreter aus dem Silicon Valley vor Ort waren. Wie sich herausstellte, besuchten sie alle die Techcrunch Disrupt-Konferenz. Dort waren neben interessanten Dingen zu viele Möchtegern-Startups vertreten. Diese wurden von Unternehmern finanziert, die eher finanziell als leidenschaftlich motiviert waren, oder von Wagniskapitalgebern, die mehr Geld als Verstand hatten.

Daraus lässt sich klar eines lernen: Lassen Sie sich von Spaß und Leidenschaft leiten, wenn Sie als Investor oder Unternehmer einsteigen möchten.