Google sucht Mitarbeiter mit Leidenschaft und Ehrgeiz. Wir haben herausgefunden, dass diese Eigenschaften häufig auch das Verlangen beinhalten, mithilfe von Technologie eine bessere Welt zu schaffen. Daher bestärken wir diese „Intrapreneure”, ihre Ideen zu entwickeln und einem größeren Team vorzustellen. Ideen, von denen viele zu erfolgreichen Projekten entwickelt werden. Hier diskutieren wir die Kultur, die uns solche Innovationen gestattet und einige der bisher erfolgreichsten davon.

Vielleicht suchen Sie den Heiligen Gral, vielleicht aber auch nur einen Parkplatz. Wie auch immer, Ihre Suche ist wichtig für Sie. Doch manche Suchen spielen eine größere Rolle, wie Suchen nach den Menschen, die uns am Herzen liegen. Beachten Sie diese Zahl: 90 Minuten. So lange dauerte es, bis Googles Person Finder - eine durchsuchbare Datenbank für vermisste Personen - nach dem Erdbeben am 11. März 2011 in Japan live ging. In den ersten 48 Stunden gab es 36 Millionen Seitenaufrufe. Der Spitzenwert der Anfragen pro Sekunde lag bei 1.600. Die Datenbank wurde in 40 Sprachen übersetzt, und Google verfolgt mittlerweile 600.000 Einträge.

Und das war nicht der erste Person Finder, der aktiviert wurde. 72 Stunden nachdem im Jahr 2010 ein Erdbeben Port-au-Prince, die Hauptstadt von Hawaii, verwüstet hatte, wurde ein Person Finder eingeführt. Nach dem Erdbeben in Chile im Februar desselben Jahres belief sich die Reaktionszeit auf 6 Stunden. Zwölf Monate später, nach dem Erdbeben in Christchurch, waren es 60 Minuten. Google, so scheint es, ist genauso auf die Entwicklung innovativer Krisenreaktionen bedacht wie jedes monetarisierbare Produkt. Doch wie? Und warum?

Die einfachste Antwort kann die richtige sein: Die Googlers selbst. Andere Unternehmen achten bei potenziellen neuen Arbeitskräften auf Intelligenz und Erfahrung. Doch Google sucht darüber hinaus auch nach "Googliness" - eine Mischung aus Leidenschaft und Dynamik, die schwer zu erklären aber leicht zu erkennen ist. Ein überraschend hoher Anteil unserer 26.000 Mitarbeiter weltweit zeichnet sich durch diese Eigenschaft aus. Sie sind Teil einer riesigen Organisation, aber sie denken - und, was besonders wichtig ist, handeln - wie Unternehmer bzw. Entrepreneure. Diese „Intrapreneure” findet man natürlich auch in vielen anderen Unternehmen. Doch die Verhältnisse bei Google - wo kreativ wohltätige Impulse durch technische Ressourcen und geschäftsführende Unterstützung noch verstärkt werden - scheinen eine ungewöhnlich große Menge dieser „Intrapreneure” zu produzieren.

„Es ging ihnen nicht auf, dass das Internet für den Durchschnitts-Inder ausgelegt ist. Es ist nicht Englisch-Sprechern, Amerikanern oder der Pornoindustrie vorbehalten.“

Einige hatten schon immer eine entrepreneurische Neigung. Im Januar schauten Risikokapitalgeber und Hacker, Führungskräfte und Techniker - alle schon an "Revolutionen" von Silicon Valley gewöhnt - mit Erstaunen zu, wie die Ägypter auf die Straßen zogen. Es war eine tatsächliche Revolution, in Echtzeit. Aber ein Googler tat mehr als nur zuzusehen. An einem einzigen Wochenende schlossen sich Ujjwal Singh, Mitbegründer von SayNow, einer Voice Communications Firma, die Google kürzlich kaufte, und ein Team kampflustiger Googlers mit Twitter zusammen, um einen Service zu entwickeln, durch den die Ägypter kommunizieren konnten, obwohl ihre Regierung die meisten Kommunikationssysteme, wie auch das Internet, lahmgelegt hatte.

Das Team bekam am Samstag Bescheid, und am Sonntagmorgen um 5:30 Uhr lief das Arbeitsmodell für Speak2Tweet schon. Es stützte sich auf das einzig verbliebene Outlet - das Telefon - um Nachrichten auf Twitter zu schicken. Die Ägypter wählten eine internationale Telefonnummer, um eine Nachricht zu hinterlassen. Diese wurde dann übersetzt und sofort für sie per Twitter weitergeschickt. Und das alles, bevor die Übergangsregierung ihren ersten offiziellen Tag hatte.

Von innerhalb des Unternehmens stammen noch viele weitere Intrapreneure ab. Sie machen gute Sachen in ihrem Hauptberuf und oftmals darüber hinaus noch viel mehr. Um Änderungen herbeizuführen - und das auf effizientere Weise, investieren sie 20 Prozent ihrer Zeit. Es kann sogar ein Teil der regulären Arbeitszeit für gute Zwecke verwendet werden. Andere arbeiten Vollzeit für Google.org (DotOrg), Googles technologiebasierte, philanthropische Organisation. Jennifer Haroon, eine der neuen Managerinnen, arbeitet an Health Speaks, und übersetzt grundlegende Gesundheitsinformationen in die Sprachen Arabisch, Hindi und Swahili (bisher liegen 266 Artikel vor). Es ist eine Zusammenarbeit zwischen DotOrg und dem Übersetzer-Team. „Der Zweck von DotOrg,” sagt sie, „ist, jeden Teil von Google wirksam einzusetzen.” Und vielleicht ist es der Zweck von Google, jeden Teil der Googlers wirksam einzusetzen.

Google sucht darüber hinaus auch nach "Googliness" - eine Mischung aus Leidenschaft und Dynamik, die schwer zu erklären aber leicht zu erkennen ist. Ein überraschend hoher Anteil unserer 26.000 Mitarbeiter weltweit zeichnet sich durch diese Eigenschaft aus.

Prem Ramaswami arbeitete als Product Manager der Netzwerkinfrastruktur, als er sich am Projekt Internet-Bus beteiligte. „Das Ding sah aus wie Winnebago von Spaceballs”, sagte er. Er wurde entworfen, um durch zweit- und drittrangige indische Städte zu fahren (mit Einwohnern zwischen 150.000 und drei Millionen), um „Leute online, ins Internet zu bekommen. Ich meine hier wirklich das Internet und nicht Google”, sagte Ramaswami. „Es ging ihnen nicht auf, dass das Internet für den Durchschnitts-Inder ausgelegt ist. Es ist nicht Englisch-Sprechern, Amerikanern oder der Pornoindustrie vorbehalten.“ Der Bus wurde zum rollenden Pädagogen für die Inder. Bisher haben über eine Millionen Menschen den Bus besucht und das Programm wird auf fünf Busse erweitert.

Ramaswamis Intrapreneurgeist führte ihn seitdem zu DotOrgs Reaktionsteam. Das Team sorgt dafür, dass bei natürlichen und humanitären Katastrophen - von Queensland bis zum Sudan, von Brasilien bis Japan - wichtige Informationen zugänglich sind. Nach dem Erdbeben in Haiti trug das Team dazu bei, innerhalb von 24 Stunden eine Landing Page zu errichten, und flog dann in die verwüstete Region, um herauszufinden, wie Technologie in der Zeit nach natürlichen Katastrophen hilfreich eingesetzt werden kann. „Wir sind datengesteuert - wir wollen wirklich sichergehen, dass, wenn wir reagieren, unsere Reaktion auch nützlich ist”, erklärt Ramaswami.

Technische Koordination ist zum Beispiel ein Problem in jeder Krise. Einige Computerprotokolle, wie KML und CAP, arbeiten gut mit Karten zusammen und sind für öffentliche Warnungen sehr nützlich. Manche sind es aber nicht. Es kommt hier auf maschinenlesbare Formate an. „Wir müssen besser mit all diesen Regierungen kommunizieren”, beobachtet Ramaswami. „Hört auf damit, PDFs zu erstellen. Erstellt etwas, das brauchbarer ist.”

Wie wichtig einheitliche und offene Standards sind, wurde in Japan klar. „Wir mussten all diese Regierungslisten nehmen und sie manuell online eingeben”, sagt Ramaswami. „Doch wir haben mit Honda und Toyota zusammengearbeitet. Deren Autos hatten GPS-Tags. So konnten wir zum Beispiel rückschließen, welche Straßen noch offen waren. Diese Unternehmen verstanden besser als Regierungen, wie man geologisch basierte Informationen teilt. Und die Bevölkerung will es - sie braucht es. Das vergrößert die Fähigkeit, die Informationen nach draußen zu bekommen."

Alice Bonhomme-Biais, eine Software Technikerin, ist ebenfalls in die Krisenreaktion involviert. Sie hat zuerst an der Infrastruktur für Google Maps gearbeitet und sie besuchte Haiti schon seit Jahren (ihr Mann ist Haitianer). Die meisten ihrer Beiträge waren eigenständig, aber sie bat auch Mitarbeiter um Hilfe. „Ich fragte nach einigen OLPC [One Laptop Per Child / Ein Laptop pro Kind], die die Googlers hier zu einer Schule schicken sollten, und ich erhielt einen OLPC von Vint Cerf [Google"s Chief Internet Evangelist].” Diesen Kindern ist es nicht bewusst, aber sie benutzen Computer vom Vater des Internets.” Bonhomme-Biais widmet ihre Zeit auch Google Women Engineers, die sich für weibliche Techniker innerhalb und außerhalb des Unternehmens einsetzen. „Wenn ich jetzt Computerwissenschaft sehe, ist das unglaublich, denn hier gibt es kein Ende - es ist ein Hilfsmittel, um Dinge zu tun”, sagt sie.

"Dinge" wie Random Hacks of Kindness (RHoK), eine Serie von Hackathons, die simultan weltweit ausgetragen werden, mit Teilnehmern von Google und anderen Tech-Unternehmen. Das Ziel? Eine Software-Lösung für Risiken und Reaktionen bei Katastrophen. Im letzten Dezember nahmen 21 Städte und 1.400 Personen am RHoK teil (der jüngste ist Juni 2011). Features, die dort eingeführt wurden, kamen drei Monate später in Japan zum Tragen. Ein Hack baute die Fähigkeit aus, Nachrichten des Person Finders automatisch online zu übersetzen. Das ist Cloud-Computing vom Feinsten.

„Wenn ich jetzt Computerwissenschaft sehe, ist das unglaublich, denn hier gibt es kein Ende - es ist ein Hilfsmittel, um Dinge zu tun”, sagt sie.

Einige Googlers erschaffen Technologie, andere setzen sie wirksam ein. Nachdem ein ehemaliger Freund von ihr 2007 in Afghanistan gefallen war, gründete Audience Evangelistin Carrie Laureno von Creative Lab das Google Veterans Network (VetNet). Das ist eine internationale Gruppe, die daran arbeitet, das Unternehmen veteranenfreundlich zu gestalten (300 Googlers nahmen an einer kürzlich von ihr veranstalteten Vorführung von Restrepo teil, einer brutalen, klarsichtigen Dokumentation über Afghanistan. Es folgte eine Diskussion mit Veteranen und Filmemachern). Carrie Laurenos aktueller Job wuchs über die Arbeit, die sie mit VetNet geleistet hat, hinaus. Sie experimentierte damit, wie man speziellen Nutzergemeinschaften durch die Vorstellung des Produkts und der Features helfen konnte, beginnend bei den Veteranen.

Google spendet jetzt Cr-48 Chrome Notebooks an Verwundete, die in amerikanischen Militärkrankenhäusern genesen, damit sie während ihrer Genesung mit ihren Familien in Kontakt bleiben können. Und ganze Abteilungen des Unternehmens versuchen herauszufinden, wie Technologie nicht nur auf die Aufgaben, sondern auch auf die Leute aufpassen kann - ganz gleich wo sie sich befinden.

YouTube arbeitet an Vermerken für Krisenreaktionen - wenn eine Katastrophe ausbricht, erscheinen Hinweise in den Videos. Ramya Raghavan, ein Manager für YouTube News und Politik, konzentriert sich auch auf neue Arten, YouTube for Nonprofits zu bewerben, mit hochwertigen Vergütungen wie spezifischen Markenkanälen. Bisher nehmen 10.000 Partner am Programm teil. Kürzlich wurden mit dem Video World Hunger – A Billion for a Billion 35.000 USD generiert.

GoogleServe startete als eine Idee. Google Mitarbeiter sollten mit ihren lokalen Gemeinschaften und auch untereinander durch Community Service in Verbindung treten. Im ersten Jahr brachte es in 45 Büros Probeprogramme heraus. Und in den drei Jahren danach ist es zu einer jährlichen Tradition gewachsen, an der mehr als 30 Prozent des Unternehmens in mehr als 60 Büros teilnehmen.

Es wurde von Seth Marbin als ein Nebenprojekt geschaffen, während er mit dem Search Quality Team arbeitete. Er ist jetzt mit dem Social Responsibility Team beschäftigt, das sich darauf konzentriert, Googlers zu ermutigen und ermächtigen, ihre Fertigkeiten, Talente und Ressourcen einzusetzen, die einen außerordentlichen Einfluss auf die Welt haben. Wie machen sie das? Er sagt: „Das Konzept ist, den hellen Punkten zu folgen.” „Viele Leute geben schon etwas zurück, und wenn wir das ein wenig strukturieren, dann können sie ihre Leidenschaften effektiver bündeln - und ist die Aufgabe unseres Teams.”

„Ich hatte Mitgefühl für andere, aber ich habe nie etwas unternommen”, gesteht Rohit Setia, ein Ingenieur aus Hyderabad in Indien, der GOAL (Google Outreach Action & Leadership) koordiniert. „Dann trat ich Google bei. Hier fand ich eine Gruppe von Leuten, die Zeit in Waisenhäusern verbrachten, die halfen. Und hier finde ich neben meinem Vollzeitjob komplette Ressourcen. Wenn ich diese richtig nutze, kann ich mehr Menschen erreichen. Man muss nicht viel bearbeiten. Man kann einfach anfangen und geben.” Er glaubt, dass die Jugend in Indien, ähnlich wie die in Ägypten, das Verlangen nach Änderungen hat und ihr Land verbessern will. „Wie kann Google helfen? Indem man den Leuten einfache Tools zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe sie sich mit der Welt verbinden können. Indem Informationen, oder der Zugang zu Informationen gestellt werden.”

Natürlich funktionieren gutgemeinte Ideen nicht jedes Mal. Wie Prem Ramaswami, ganz wie ein echter Intrapreneur sagt: „Hier gilt eine Darwinsche Methode für Projekte. Man muss missionieren, und manchmal interessiert es die Leute nicht. Das ist die natürliche Art, sich selbst zu überzeugen, dass es sich nicht lohnt, an dieser Sache zu arbeiten. Einige Projekte schlagen fehl. Aber die guten werden - irgendwie - erfolgreich.