Über eine Milliarde Stunden Content auf YouTube wird täglich angesehen. Was macht die Videoplattform so erfolgreich? Was zeichnet sie aus? "YouTube ist eine Reflektion darüber, wer wir wirklich sind", sagt Kevin Allocca zu Beginn seiner Rede. In seiner Keynote "YouTube on Stage" untersucht er drei Trends, die YouTube auszeichnen: Erstens, Nische als Mainstream, zweitens die Bedeutung von Interaktion und drittens der individuelle Ausdruck. Andreas Briese, Director YouTube Partnerships, diskutierten in der Motion Hall ebenfalls über die neuesten Trends und Angebotsvielfalt der Videoplattform.

Wenn man an YouTube denke, denke man zwar zunächst an Mainstream-Inhalten, so Allocca. Doch YouTube zeichne sich durch eine Vielzahl von Inhalten in den verschiedensten Formen aus ‒ ob Videos von Pirate Metal Bands, Cover von Musikstücken mit ungewöhnlichen Musikinstrumenten oder Explosionen in Slow Motion. Jeden Tag spiele YouTube über 200 Millionen unterschiedliche Videos auf seiner Homepage aus. "Vieles davon hätte mit vorangegangenen Medientechnologien nicht existiert", betont der YouTube-Trends-Manager.

Auf YouTube werde Kreativität durch Interaktion lebendig, so Kevin Allocca."Interaktivität ist eine der Schlüsselprinzipien, die Onlinevideos von anderen Entertainment-Medien unterscheidet.” Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist April, die Giraffe. Der Animal Adventure Park in Harpusville entschied sich in 2017 dazu, einen Livestream auf YouTube für die schwangere Giraffe einzurichten. Entgegen aller Erwartungen entwickelte sich der Videostream zu einem globalen Phänomen und wurde zu einem der meistgesehenen Livestreams in der Geschichte des Internets. Innerhalb von 65 Tagen wurde der Livestream über 232 Millionen Mal angesehen. Der Grund, warum der Livestream so erfolgreich war, sieht Allocca nicht im Content, sondern eher in den Diskussionen, die man über April hatte: "Bei April, der Giraffe, ging es nicht um den Konsum von Inhalten, sondern um Interaktion."

Der dritte Trend ist die Bedeutung von individuellem Ausdruck, die in YouTube-Videos vorzufinden seien. Das eindrucksvollste Beispiel ist jedoch das Musikvideo "Despacito" von Luis Fonsi und Daddy Yankee, das sich mit mehr als drei Milliarden Views innerhalb kürzester Zeit zum erfolgreichsten Video auf YouTube entpuppt hat. Mehr als 15 Millionen Mal pro Tag wurde das Video bislang angesehen. Es habe sich von einem Latino-Hit in einen "kulturellen Touchdown" entwickelt, indem der Content zum eigenen gemacht werde, stellt Allocca fest. Es gebe eine Vielzahl an Videos, die den Inhalt von Despacito aufnähmen und zu neuen Formaten entwickelten, sei es Coverversionen oder Tanzeinlagen.

Andreas Briese beleuchtete die Rolle von YouTube in Deutschland und verwies dabei auf drei Beispiele von erfolgreichen YouTube-Ereignissen des vergangenen Jahres: So war das Interview von vier YouTube Creators mit Kanzlerin Angela Merkel auf Platz 1 der Twitter Trends in Deutschland und weltweit sogar auf Platz 4 – und das, obwohl es sich um reinen deutschen Content handelte. Das zweite Beispiel war die Handball-WM, die erfolgreich auf YouTube gestreamt wurde und zwischenzeitlich 17,5 Millionen Live-Views erhielt. Als drittes Beispiel führte Andreas Briese den Livestream der Eröffnung der Elbphilharmonie an. Über 600.000 Menschen schauten sich den 360-Grad-Livestream des Eröffnungskonzerts auf YouTube angeschaut.

"YouTube erreicht allein in Deutschland durch Online-Videos 44 Millionen Nutzer im Monat. Das entspricht 77 Prozent der Gesamtbevölkerung," so Andreas Briese weiter. Das Besondere an YouTube sei zudem, dass die Videoplattform Nutzer über alle Altersklassen und Zielgruppen hinweg erreiche. "Zusammengefasst: Die Symbiose von Kreativen, deren Fans und Werbetreibenden gepaart mit dem Zusammenspiel von Reichweite, Relevanz und Effizienz macht YouTube zu einer Schlüsselplattform dieser Zeit und somit zu einer Schlüsselplattform für Werbetreibende."

Für Unterhaltung sorgten indes auch die YouTube Creators selbst. So zeigten die Flying Steps, die durch Tanztutorials auf YouTube bekannt geworden sind, ihr Können. Nicole Cross begeisterte das Publikum mit einer musikalischen Einlage.