Das Internet hat unser Leben unendlich verbessert, aber es hat auch Probleme geschaffen, die wir bis dahin nicht kannten – zu viel Information, übermäßiges Preisgeben von Daten und weniger Privatsphäre. Google+ ist der erste Schritt unseres Versuchs, diese Probleme zu lösen. Hier erzählt Bradley Horowitz, Google Vice President of Product, die Philosophie, die hinter dem Produkt steht. Sie besagt, dass Informationen sich nicht von dem Menschen trennen lassen, der sie erstellt, darauf reagiert und sie weiterleitet.

Als ich Mitte der Neunziger anfing, mich mit dem Internet zu beschäftigen, war das nur eine Ansammlung von einfachen Webseiten, die man für den Online-Konsum kreiert hatte. Dann, mit dem Aufstieg des sogenannten „Web 2.0“, erweiterte es sich dergestalt, dass alle Medientypen integriert wurden, die bis dahin nur in der Offline-Welt existierten: Videos, Bilder. Live-Performances, Nachrichten und vieles mehr. Und in den vergangenen fünf Jahren sind wir – was die Evolution des Internets betrifft – wieder in eine neue Phase eingetreten. Dies könnte man vielleicht das „People Web“, das Web der Menschen, nennen. Diese Periode ist gekennzeichnet vom Aufstieg von Facebook, Twitter und LinkedIn, die auf den früheren Erfolgen von z.B. MySpace und Friendster aufbauen.

Bei Google sind menschenbezogene Suchen schon immer eine unserer beliebtesten Kategorien gewesen. Deshalb setzten wir alles daran, dass erkannt wird, dass es sich um eine Person handelt, wenn jemand im Suchfeld von Google den Namen „John Smith“ angibt, und dass dies nicht nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben ist. Das kriegen wir ganz gut hin, aber der Auftakt zum Web der Menschen hat uns die Chance gegeben, noch weitaus mehr zu tun. Und das gilt nicht nur für Google. Der Aufstieg sozialer Netzwerke und die Fülle von Informationen, die sie über Menschen, ihre Beziehungen und ihre Vorlieben (wir nennen dies „Social Graph“) enthalten, haben das Potenzial, das gesamte Internet besser zu machen.

Das Internet ist schon ziemlich fantastisch, aber es hat eine ganze Menge Probleme geschaffen, die wir vorher nicht hatten. Fokus, zum Beispiel. Soziale Netzwerke sind großartig, wenn man nur ein paar Dutzend Freunde hat, aber wenn es sich um ein paar Hundert handelt, wird es einfach zu viel.

Der Aufstieg sozialer Netzwerke und die Fülle von Informationen, die sie über Menschen, ihre Beziehungen und ihre Vorlieben enthalten, hat das Potenzial, das gesamte Internet besser zu machen.

Teilen gehört auch dazu. Es gibt zahllose Möglichkeiten, Dinge online zu teilen; so viele, dass dies zu einer ziemlich verwirrenden Erfahrung wurde. Meine Freunde auf der Arbeit unterscheiden sich von meinen Schulfreunden. Wenn ich eine Bar betrete, dann ist das anders als wenn ich in eine Kirche gehe. Die kleinen Nuancen in den Beziehungen kann man online kaum abbilden.

Und Privatsphäre ist natürlich auch wichtig. Wenn Menschen ihr ganzes Leben online stellen, sollten sie sich vollkommen darüber bewusst sein, wer was sieht, und darüber brauchen sie die hundertprozentige Kontrolle.

In meinem Job fragen wir uns oft: „Was sollte das Internet für die Menschen leisten, das es heute noch nicht leistet?“ Es sollte das Leben der Menschen deutlich verbessern, ihnen helfen, mehr Zeit mit wichtigen Dingen zu verbringen, und helfen, tiefer gehende, bedeutendere Beziehungen herzustellen. Eric Schmidt sagt gern, dass man sich mit dem Internet nie langweilen sollte, weil man online immer Freunde finden, neue Freundschaften schließen und das finden kann, das einen gerade am meisten interessiert. Das Web der Menschen schenkt uns die wunderbare Möglichkeit, den Menschen nicht nur ihr Leben zurückzugeben, sondern sie auch Dinge tun zu lassen, die vorher unmöglich waren.

Das Google+-Projekt, das im Juni an den Start ging, ist erst der Anfang unseres Bemühens, den Menschen ins Zentrum aller Google-Produkte zu stellen. Folgendes ist für unsere Mission essentiell: Informationen sind nicht zu trennen von den Menschen, die sie schaffen, darauf reagieren und sie weiterleiten. Oder, um es in Beziehung zu meinem früheren Beispiel zu setzen: Wenn Sie John Smith tatsächlich kennen, dann werden Sie auf der Suche nach ihm andere Ergebnisse erhalten als jemand, der ihn nicht kennt, – z. B. Fotos von seiner letzten Reise. Dasselbe gilt für Werbung, E-Mail, YouTube und unsere anderen Dienste: Wenn wir Menschen und den Social Graph besser verstehen, haben wir die Möglichkeit, all diese Dienste zu verbessern.

Mit Google+ fangen wir an, einige der großen Probleme, die das Internet geschaffen hat, zu lösen. Kreise verleihen dem Preisgeben von Informationen online einen Hauch vom echten Leben und geben Ihnen genaue Kontrolle über die Updates, die Sie in Ihrem Stream sehen. Hangouts bieten eine ganz neue Möglichkeit, sich mit Freunden ganz ungezwungen zu treffen – das ist wie Cheers fürs Internet. Sparks zieht aus dem ganzen Netz interessante Informationen über Dinge, die Ihnen wichtig sind. Mit der mobilen App ist es ein Kinderspiel, das, was Sie gerade umgibt, zu teilen (gleichzeitig stellt sie sicher, dass die Bilder nicht auf ewig nur auf Ihrem Handy bleiben).

All das machen wir möglich und achten gleichzeitig auf die Privatsphäre der Menschen. Das ist heute eine große Herausforderung, nicht nur für Google, sondern für praktisch jede Internetfirma. Die Menschen brauchen volle Kontrolle über das, was privat und was öffentlich ist, und sie brauchen mehrere Optionen, um uns wissen zu lassen, wie gut unsere Leistung in diesem Zusammenhang ist. Nach dem Start von Google+ haben uns unsere Benutzer mitgeteilt, dass es sehr leicht war, Dinge noch mal zu teilen, die nur für einen speziellen Kreis bestimmt waren. Daraufhin haben wir umgehend eine Funktion integriert, die Benutzer darauf hinweist und ihnen ermöglicht, das erneute Teilen zu deaktivieren.

Wir nutzen Google+, um immer wieder solche Rückmeldungen zu erhalten, und das ist großartig. Ich bin Mitglied der Kreise von mehr als 65.000 Menschen und da mein Profil offen für Kommentare ist, erhalte ich von ihnen permanent neue Anregungen. Das schafft zwischen mir und meinen Benutzern eine echte Vertrautheit und es zeigt ihnen, dass Google+ keine namenlose Fassade ist, sondern dass echte Menschen versuchen, gute Produkte herzustellen. Manchmal starte ich Hangouts, damit wir direkt mit den Benutzern interagieren können. Letzte Woche habe ich eines Abends von Angesicht zu Angesicht mit Menschen aus Bulgarien, Singapur und Vietnam gesprochen – und zwar von meinem Wohnzimmer in Palo Alto aus. Ist das nicht außergewöhnlich?

Naja, vielleicht nicht. Wir hören viele Geschichten von Menschen, die Google+ nutzen, um neue Beziehungen zu schmieden. Vic Gundotra, der unsere Abteilung Social leitet, hat mir eine wunderbare Anekdote erzählt. Vor ein paar Wochen hat er seinen Stream gecheckt und einen Eintrag von Chee Chew, einem Techniker aus unserem Büro in Kirkland, erhalten. Chee überlegte, ob taube Menschen Hangouts nutzen könnten, um sich online mit Zeichensprache zu unterhalten. „Das ist interessant“, dachte Gundotra und leitete den Beitrag weiter. Bald hatten 200 andere Personen ihn weitergeleitet und am nächsten Nachmittag sprach Chee bereits mit einem Computerfachmann im Mittleren Westen, der schon an Programmen arbeiteten, um das zu ermöglichen. Das ist cool.

Und es gibt noch weitere Beispiele: Mit Hangouts werden chirurgische Sprechstunden zwischen Kentucky und New York durchgeführt, Angehörige des Militärs kommunizieren mit Familie und Freunden daheim, Konzerte finden über Hangouts statt, ein Google+-Nutzerleitfaden wurde von Freiwilligen ins Deutsche, Chinesische und Russische übersetzt. Ich bin mir sicher, dass dies nicht nur für Google+ gilt, da auch unsere größten Mitbewerber Menschen auf der ganzen Welt dabei helfen, im Web der Menschen tolle Dinge zu erreichen. Aber hoffentlich treiben wir sie mit einigen von unseren Erfindungen an, so wie sie – da bin ich mir sicher – uns mit ihren Erfindungen antreiben.

Und so wird unser Projekt weitergehen. Unsere Branche ist äußerst wettbewerbsfähig, Millionen Menschen geben uns Ideen und nutzen unser Produkte auf ungeahnte Weise. Sie bietet ein Umfeld, das das Leben von Menschen auf der ganzen Welt verbessern kann. Es gibt noch so viel zu tun und die Tage sind viel zu kurz. Ich denke, ich gehe jetzt mal auf Hangouts. Wer kommt mit?