Um in der Werbung ein Konzept zu verkaufen, war es schon immer der beste Weg, diese Konzept zu zeigen. Zum Beispiel mit Storyboards. Oder mit Skizzen. Aber heute sind einige der größten Ideen digital, und um diese effektiv vermitteln zu können, reichen herkömmliche Prototype-Tools nicht aus. Also mussten die Kreativen um einiges, nun ja, kreativer werden. Sie entwickeln ideenreichen Wege, um den Reichtum und die Magie interaktiver Erlebnisse zu zeigen. Hier stellen Ben Malbon aus dem Google Creative Lab und Iain Tait Beispiele und Tipps vor, um Ihre Idee zum Leben zu erwecken.

Die Prototyping-Prinzipien

Machen ist das neue Denken. Macher sind die neuen Creatives. Man ist, was man macht. Klicken Sie auf irgendeinen Link in den sozialen Medien und Sie werden sehr wahrscheinlich sich selbst in einem Gespräch über Prototyping wiederfinden. Und das mit gutem Grund: Es funktioniert.

Wenn man nach der Aufmerksamkeit geht, die das Thema Prototype derzeit erfährt, könnte man denken, dass es so neu und wichtig ist wie ein revolutionärer Burger oder ein speckgefülltes Croissant. Die Wahrheit ist dass in der Werbewelt schon immer Prototypen verwendet wurden: Skizzen. Vorab-Visualisierungen. Storyboards. Animationen Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, um Ideen zum Leben zu erwecken und einen Eindruck von den Emotionen zu vermitteln, die das Endprodukt wecken könnte, um Kunden zu überzeugen, zu investieren und in Produktion zu gehen.

Während Storyboards und Skizzen im kreativen Prozess immer noch eine wichtige Rolle spielen, sind sie nicht in der Lage, den Reichtum interaktiver Erlebnisse zu vermitteln. Sie können gut funktionieren, wenn Sie mit Menschen zu tun haben, die völlig auf Ihrer Wellenlänge sind und mit denen Sie viele Gemeinsamkeiten teilen. Das ist jedoch selten der Fall. Meist ist es wichtig, dass der Originalzeichner sein Produkt mit der Überzeugung präsentiert, die der Arbeit gerecht wird. Und diese Zeichner sind in den Führungsebenen und auf der internationalen Bühne eher selten zu treffen.

Viele von uns haben die Frustrationen dieser lost-in-translation-Momente aus erster Hand erlebt. Aber so, wie die Technologie uns neue Möglichkeiten für die Umsetzung unserer Ideen gegeben hat, stehen uns nun auch neue Wege offen, um diese Ideen im eigentlichen Kreativprozess zu artikulieren. Mit ein wenig Aufwand können Sie eine Menge Magie simulieren und einen Prototypen erstellen, der die Leute jedes Mal begeistert, wenn er gezeigt wird.

So, wie die Technologie uns neue Möglichkeiten für die Umsetzung unserer Ideen gegeben hat, stehen uns nun auch neue Wege offen, um diese Ideen im eigentlichen Kreativprozess zu artikulieren.

Mit diesen 4 einfachen Methoden erwecken Sie Ideen zum Leben:

1. Erstellen Sie ein Video

Videos sind ein vertrautes Medium, das Ihnen ermöglicht, die oberflächliche Komplexität zu durchbrechen und direkt zum Kern der Sache zu kommen. Ein Beispiel, wie das funktionieren kann, finden Sie bei Chrome „Racer“. Was jetzt ein Multiplayer-Mobile-Erlebnis ist mit einem Soundtrack von Giorgio Moroder, der Legende in elektronischer Musik, begann als sehr technische Frage: „Können wir Chrome Mobile benutzen, um ein Spiel über mehrere Geräte zu synchronisieren - iPhone und Android, Tablets und Handys?“

Das Racer-Team startete an mehreren Fronten gleichzeitig. Javascript-Tests erstellen. Ein Plakat erstellen, das Kollegen auf das (noch zu erstellende) Spiel aufmerksam machte. Und QuickTime-Animationen erstellen, die das Gameplay simulierten. Diese wurden in ein einfaches Video eingefügt, das das (noch zu erstellende) Spiel zeigte. Jeder, der dies sah – bis hin zu den Menschen, die für Chrome auf der Produkt- und Engineering-Ebene verantwortlich sind – hatte genau die selbe erste Frage: „Wann können wir das spielen?“ Es war keine Frage, dass dieses Projekt grünes Licht bekommen würde.

Das Video trug dazu bei, Begeisterung für Racer zu wecken, und zwar besser, als es Wireframes oder textlastige Decks je hätten schaffen können. Es beantwortete alle Warum-Fragen und konzentrierte sich nicht auf das Wie. Aber am wichtigsten war die einfache Handhabung. Jeder konnte es bekommen, ohne dass die Designer präsent sein mussten.

2. Praktische Vorstellung

Diese Art von „Prototyp-Erfahrung“ steckte hinter dem Musikvideo von Arcade Fires für The Wilderness Downtown. Ein Team von Google Creative Lab hatte mit der Idee eines weltweit ersten Musikvideos im HTML5-Format, aber genau dieses „Wie fühlt es sich an, das erste HTML5-Video zu sein“-Gefühl zu erfassen war ein Problem. Es musste zum Leben erweckt werden, und zwar über eine dreidimensionale Erfahrung und nicht über leblose Diagramme oder Prints.

Und genau das passierte. Aaron Koblin und Thomas Gayno von Creative Lab reisten nach Montreal, um sich mit Arcade Fire zusammenzusetzen und sie aus erster Hand erleben zu lassen, wie Technik die Nostalgie in The Wilderness Downtownverstärken konnte. Mit ihrem Lied im Hintergrund flog die Band um Google Earth und zoomte auf all die Orte aus ihrer Kindheit, die als Inspiration für die Texte gedient hatten. In nur einigen Minuten hatten sie das Konzept verinnerlicht. Das war nicht mehr ein Gespräch über HTML5 oder Chrome, sondern die Erfahrung von Erinnerungen, die zum Leben erweckt wurden. In nur einigen Monaten ging eine Idee, die im Hintergrund vor sich hin brodelte, plötzlich wie Virus um die Welt.

Das Erzeugen einer Erfahrung ist nicht so portabel wie ein Video oder ein normaler Prototyp (die eignen sich, wenn Sie eine begrenzte Anzahl Leute überzeugen müssen), dafür aber unglaublich effektiv.

3. Mockups mit Keynote

Wenn Sie keine Präsentation für Arcade Fire brauchen, reicht vielleicht auch etwas mehr Alltägliches und Software-Ähnliches.

Wenn Sie für Desktop-PCs, Handys oder Tablets entwickeln, dann ist Keynote eine der schnellsten und einfachsten Prototype-Tools, die zur Verfügung steht. Die Animationsfunktionen ermöglichen die Simulation von Gesten wie Tippen, Ziehen oder Streichen, wodurch das Tool ideal für das Prototyping von Funktionen ist. Sie können zum Beispiel simulieren, wie es sich anfühlt, Swipe-Zugriff von der Unterseite des Telefon auf YouTube-Apps zu haben, um auf alle Ihrer Später-Ansehen-Videos zuzugreifen.

Das Slideshow-Format von Keynote macht es auch zu einer natürlichen Ergänzung für Story-basierte Designs. Angenommen, Sie hatten eine Idee für eine App vom Typ „Wählen-Sie-Ihr- eigenes-Abenteuer“ (und jemand hat Sie nicht mit der Begründung 'Fantasielosigkeit' gefeuert): in Keynote können Sie eine Strömung oder eine Animation prototypen und erleben, wie es sich anfühlt, die Geschichte in verschiedene Richtung zu lenken. Keynote ermöglicht Ihnen auch, Bilder unter Beibehaltung jeglicher Animationen und der zugrunde liegenden Reihenfolge,zu vertauschen was Wiederholungen wesentlich vereinfacht.

Prototyping mit Keynote wird Ihre Freunde nicht so beeindrucken wie mit Rock-Bands abzuhängen, aber es ist effizient. In weniger als einer Stunde können Sie einenHigh-Fidelity-Prototypen erstellen und auf einem mobilen Gerät abspielen, um mögliche Interaktionen in einer App oder auf einer Website zu simulieren. Außerdem ist es auch für normale Menschen schnell zu erlernen. Sogar Planer im mittleren Alter sind dafür bekannt, mit Keynote zu prototypen.

4. Ein Prototyp muss her

Wenn Sie davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, die Idee zu verfolgen, und IhrKeynote-Mockup reicht nicht aus, ist es vielleicht Zeit für einen funktionierenden Prototypen.

Der Toyota Collaborator ist ein Prototyp, der für 2013 Google I- / O-Konferenz entwickelt wurde. Er zeigt, wie Sie 'rund um die kniffligen Bits entwickeln' und etwas erstellen können, das überzeugend genug ist, um 'voll und ganz' einzutauchen. Die Herausforderung hinter Collaborator war, dass Autokauf ein anstrengender Prozess ist. Toyota wollte diese Erfahrung verbessern, sie einfacher, kollaborativer und sozialer gestalten. Auf der Grundlage eines einfachen (und gefälschten) Hangout-basierten Erlebnisse entstand ein Social-Car-Konfigurator. Dieser simulierte, wie mehrere Menschen per Video-Chat zusammen in Echtzeit ein Auto gestalten konnten. Durch Head-Tracking ließ sich die Ansicht im Auto drehen, und man konnte sogar eine Testfahrt in Google Street View machen. Durch die Simulation eines fertigen Produktes und die Möglichkeit, dieses Produkt live auf dem Bildschirm auszuprobieren lässt sich eine emotionale Verbindung herstellen, die den Verkauf fördert. Eine vollständige öffentliche Einführung ist für September geplant.

Was auch immer für Sie das richtige ist

Diese Beispiele sind nichts anderes als: Beispiele. Dinge, die Leute tatsächlich getan haben, oder die geholfen haben, ein interaktives Erlebnis zu beschreiben oder zu artikulieren. Es gibt kein Wundermittel. Es gibt keine Regel, die sagt, in Situation X sollten Sie Prototyp Y anwenden. Wahrscheinlich ist für Sie keines der genannten Beispiele geeignet. Vielleicht ist es sogar besser, wenn Sie sie alle vermeiden und etwas Eigenes kreieren.

Stellen Sie nur sicher, dass Sie klarstellen, (a) was Sie versuchen zu vermitteln, und (b) was die Magie ist, die Sie versuchen zum Leben zu erwecken. Dann stellen Sie sich selbst zwei weitere große Fragen:

Was haben Sie zur Hand?

Wenn Sie großartige Filmleute haben, drehen Sie einen Film. Wenn Sie eine Schiffsladung voll von tollen Front-End-Entwicklern haben, dann machen Sie etwas daraus. Wenn Sie tolle Keynote-Fähigkeiten haben, animieren Sie drauf los. Wenn Sie eine geheime Armee von Freiwilligen haben, die bereit ist, alles für Sie zu tun, aktivieren Sie diese unsichtbare Armee.

Was wird die Leute überzeugen, die Sie versuchen zu überzeugen?

Manche Menschen sind detailsüchtig und lieben es, alles zu sehen. Hier geraten Sie direkt in das klickbare Wireframe-Gebiet. Andere Leute reagieren am besten auf Sachen, die sie fühlen. Da eignet sich ein Video und die B-Seite einer Coldplay-Platte. Und versuchen Sie nicht, die Gedanken Ihrer Zielgruppe zu erraten. Sprechen Sie darüber. Verstehen Sie, was sie brauchen und wo sich der Prototyp hin bewegen soll. Betrachten Sie Erfolge und Misserfolge. Bauen Sie darauf auf, was funktioniert, und verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit dem, was nicht funktioniert.

Wenn Sie die Antworten zu den o.g. Fragen herausgefunden haben, tragen Sie wahrscheinlich bereits ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Doing Is The New Thinking' (Machen Ist Das Neue Denken). Aber für den Rest von uns ist es an der Zeit, ein paar Arten von Prototypen zu erstellen, um zu sehen, was am besten funktioniert.