Der Künstler Chris Milk hat schon für große Namen wie U2 und Kanye West Musikvideos gedreht. Seine jüngsten Werke – Projekte wie das preisgekrönte „The Johnny Cash Project“ oder das multimediale Musikvideo „The Wilderness Downtown“ von Arcade Fire – zeigen, wie Technologie ein emotionales Echo erzeugen kann. Hier verrät er mehr über die Menschen, Prinzipien, Ideen und Werkzeuge, die seine Kreativität im Fluss halten.

Diese Dokumentation stellt ungefähr Hundert faszinierende Ideen zum Thema Kreativität im digitalen Zeitalter vor. Die technologischen Hürden sind kleiner geworden; heute kann jeder ein Fotograf, Musiker, Filmproduzent, Redakteur, Grafikdesigner oder Künstler sein. Der Knackpunkt ist nur, Aufmerksamkeit für sein Schaffen zu bekommen. Heute ist vielleicht das beste und schlechteste Zeitalter zugleich, um sich künstlerisch zu betätigen.

1999 veröffentlichte Qwest, eine US-amerikanische Telefongesellschaft, einen Werbespot, der einen Mann beim Check-In in ein Motel zeigte, dessen Zimmer angeblich „jeden Film, der jemals gemacht wurde, in jeder Sprache und zu jeder Tages- und Nachtzeit“ boten. Als ich den Spot damals sah, erschien mir die Vorstellung so weit hergeholt wie fliegende Autos. Suchen Sie auf YouTube nach „Qwest – Every Movie“, um sich selbst ein Bild zu machen. Ist die Entwicklung nicht erstaunlich? Sie hatten nur vergessen zu erwähnen, dass wir die Filme auf einem Fernseher schauen können, den wir in unserer Hosentasche tragen. Tatsächlich habe ich mir den Spot gerade auf meinem neuen Galaxy Nexus-Smartphone angeschaut.

Oder die in Einsen und Nullen übertragene Menschheit. Raffiniert gemachte Technologie kann uns berühren wie jede andere Kunstform. Das Internet verwandelt das Kinoerlebnis in einen Dialog mit dem Zuschauer. Es ist eine Kunstform entstanden, die den Kanon des nächsten Jahrhunderts prägen wird. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was wir damit anfangen sollen.

Es ist eine Kunstform entstanden, die den Kanon des nächsten Jahrhunderts prägen wird. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was wir damit anfangen sollen.

… doch die Leute jammern lieber erst einmal. Ich habe erlebt, wie sich Leute online endlos darüber beschwert haben, „noch einen verdammten Browser“ herunterladen zu müssen, um damit ein Webprojekt mit HTML5- oder WebGL-Inhalten anschauen zu können. Wenn Sie im Jahr 1954 die Ed Sullivan Show in Farbe schauen wollten, mussten sie zum Elektronikgeschäft fahren, umgerechnet 10.000 $ investieren und einen 200 Kilo schweren Kasten nach Hause tragen. Heute klicken Sie auf drei Buttons auf einem Bildschirm, ganz kostenfrei. 2004 startete Franklin Leonard The Black List als Experiment, um die besten unproduzierten Hollywood-Drehbücher des Jahres zu küren. Franklin baut seine Idee gerade weiter aus durch den Aufbau einer Website, die das Potenzial von Crowdsourcing und Algorithmen dazu verwendet, nicht nur die besten unproduzierten Drehbücher zu ermitteln, sondern auch die besten unproduzierten Drehbücher, die die Nutzer der Website am meisten interessieren. Es funktioniert ähnlich wie die „Kunden kauften auch“-Funktion auf Amazon, bloß in den trüben Gewässern von ungedrehten Filmen.

Amazons Prime-Mitgliedschaft ist nicht per se kreativ, ermöglicht aber mir mehr Kreativität. Ich habe keinen Assistenten. Wenn ich etwas brauche, bestelle ich es über Amazon Prime und erhalte es innerhalb von zwei Tagen. Vom Küchenkrepp über HDMI-Kabel bis zu Kühlschränken. Das Geld für die Prime-Mitgliedschaft sind die besten 70 $, die ich je investiert habe.

Mich fasziniert die Arbeit von David Cope. Er verwendet Code, um neue musikalische Werke zu produzieren, die nicht von jenen von lange verstorbenen klassischen Meistern zu unterscheiden sind. Für Musikwissenschaftler ist er der Teufel; ich halte ihn für einen Propheten.

Als gebürtiger New Yorker, der früher in einer Pizzeria gearbeitet hat, nehme ich das vermutlich etwas zu ernst. Die „My Maps“-Funktion von Google Maps macht es viel einfacher, meine umfangreichen Recherchen zu aktualisieren und zu teilen.

In atemlosen Monologen predigt Jason Silva auf Vimeo seine Vorstellungen von der Zukunft, inspiriert von Persönlichkeiten wie Peter Diamandis und Ray Kurzweil. Warum sollten wir den Tod nicht als eine heilbare Krankheit ansehen, gegen die wir nur noch kein Heilmittel gefunden haben? Ich halte das für eine gute Idee. Ich hoffe nur, dass er die Antwort vor meinem Ableben findet und mir eine Dosis des Wirkstoffs abzweigt.

Ich muss zugeben, dass ich die Sendung erst spät mitbekommen habe, da ich samstags nicht früh aufstehe. Mein momentanes Ziel ist, alle 454 Folgen dieser wöchentlichen Radiosendung anzuhören. Seltsamer- und zauberhafterweise berühren einen Erzählungen manchmal emotional mehr, wenn ihnen das Visuelle genommen wird. Mir kommen die Tränen bei Geschichten, bei denen ich, würden sie durch eine visuelle Komponente ergänzt, nicht weinen würde. Warum bewegt es mich mehr, wenn ich es nicht sehen kann? Und da ich versuche, emotionale Werke in einem visuellen Medium zu kreieren: Führe ich möglicherweise einen aussichtslosen Kampf? Sollte ich lieber Drehbücher für Radiosendungen schreiben? Ist die FM-Frequenz die Zukunft?