Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Lieblingsmedien jederzeit und überall nutzen. Diese Welt existiert. Jamie Rosenberg ist der Leiter der Abteilung digitale Inhalte bei Google. Er erläutert, inwieweit neue Technologien rund um die Uhr Unterhaltung bieten. Durch die Cloud sind Filme, Bücher und Musik immer und überall verfügbar geworden. Die sozialen Netzwerke geben uns zudem die Möglichkeit, auf neue, aufregende Art und Weise mit Medien zu interagieren.

Gut, wir haben den Mars nicht kolonisiert und wir können nicht schneller reisen als das Licht. Wir warten auch immer noch darauf, dass Raketenrucksäcke eingeführt werden. Aber in Bezug auf einen Aspekt haben wir alle Vorhersagen übertroffen: Wir leben in einem Zeitalter, in dem es keine Langeweile mehr gibt.

Jeder von uns hält eine Welt nie endender Unterhaltung in Händen. Etwas Musik gefällig, um den Tag zu unterlegen? Egal ob Bach oder Busta Rhymes – Ihr Telefon greift über die Cloud auf Ihre gesamte Musiksammlung zu. Ihnen ist danach, einen Film anzuschauen? Sie haben die Möglichkeit, jeden Streifen zu kaufen oder auszuleihen und ihn sich mittels Online-Streaming anzusehen – von Verblendung bis hin zu Vom Winde verweht. Sie haben Lust, zu spielen? Geben Sie ihr nach: Selbst in der Supermarktschlange sind Angry Birds oder Draw Something mit dabei. Wenn man sich in einem voll besetzten Zug oder Café umsieht, fallen einem die vielen kleinen Bildschirme auf, auf die deren Besitzer blicken. Was einst ungenutzte Zeit war, kann heute mit Spielen ausgefüllt werden.

Cloud-Computing hat hier einen neuen Aspekt eingeführt. Dieser könnte genauso bedeutsam sein wie einst die Umstellung von Schallplatten auf CDs oder vom CD-Regal auf die Festplatte. Musik, Bücher, Filme und Spiele – alles ist mittlerweile über die Cloud verfügbar. Immer schnellere Netzwerke und immer leistungsstärkere Smartphones bewirken zudem, dass wir über alle Geräte auf ganze Online-Bibliotheken zugreifen können, ohne dass die Inhalte auf den Geräten selbst gespeichert sein müssen. Sie werden nie wieder Ihr Haus auf den Kopf stellen müssen, weil Sie nach einem Kabel suchen, um neue Musik auf Ihr Telefon zu übertragen. Selbst auf Downloads muss nicht mehr gewartet werden. Cloud-basierte Anbieter machen es möglich, neu erworbene Titel direkt abzuspielen. Mittlerweile kann über beinahe jedes Gerät auf unzählige Inhalte zugegriffen werden. Jederzeit, von überall aus.

Wenn man sich in einem voll besetzten Zug oder Café umsieht, fallen einem die vielen kleinen Bildschirme auf, auf die deren Besitzer blicken. Was einst ungenutzte Zeit war, kann heute mit Spielen ausgefüllt werden.

Mithilfe der Cloud haben Sie die Medieninhalte, die Ihnen gefallen, stets bei sich. Sie können den Tag beginnen, indem Sie das Tablet zeitgleich zur Kaffeemaschine anschalten. Schauen Sie nach, ob Sie E-Mails erhalten haben. Danach können Sie auf dem gleichen Gerät ein Buchkapitel lesen. Im Zug lesen Sie gegebenenfalls auf Ihrem Telefon auf der gleichen Seite weiter, bei der Sie auf dem Tablet aufgehört haben. Im Büro könnten Sie den ganzen Tag lang Ihre gesamte Musiksammlung über den Desktop-PC anhören. Und auf dem Heimweg haben Sie die Möglichkeit, die neueste Episode einer Fernsehserie zu schauen, die Sie verpasst haben. Sobald Sie zu Hause sind, machen Sie es sich mit dem Tablet auf dem Sofa gemütlich. Sie können das Buch an der Stelle weiterlesen/den Film an der Stelle weiterschauen, an der Sie aufgehört hatten.

Der größte Nutzen, den die Cloud bietet, ist Komfort. Sie ermöglicht es den Menschen aber auch, auf neue Art und Weise von ihren Online-Bibliotheken zu profitieren. Bei Google Play, unserem Dienst für Apps, Musik, Filme, Bücher und Spiele, haben wir die Funktion „Instant Mix“ eingeführt. Mittels maschineller auditiver Erfassung wird Ihre Musik in der Cloud dabei in Bezug auf Aspekte wie Stimmung, Tempo und beteiligte Instrumente analysiert. Die Funktion gibt Auskunft über Fragen wie: „Ist die Musik peppig?“ „Ist sie zum Joggen geeignet?“ „Ist eine Hammond-Orgel des Modells B3 beteiligt?“ Die Software ist in der Lage, Ähnlichkeiten zwischen Liedern zu entdecken und Ihre Lieblings-Tracks mit den weniger häufig gehörten Stücken Ihrer Bibliothek zu kombinieren. Wenn Sie Online-Dienste Ihre Vorlieben wissen lassen, können diese Ihnen immer stärker auf Sie zugeschnittene Vorschläge machen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, weniger bekannte Musikstücke, Filme und Bücher zu entdecken, die Ihnen vielleicht gefallen.

Cloud-fähige Tablets bieten eine völlig neue Form der individuellen Unterhaltung. Die Nutzer verbringen in der Regel mehr Zeit damit, Medien über ihre Geräte zu nutzen, als dies im Falle herkömmlicher Desktop-Browser der Fall ist. Dem Anbieter von Online-Videodiensten Ooyala zufolge standen Ende letzten Jahres jeder auf einem Desktop angeschauten Video-Minute 1 Minute und 17 Sekunden auf Tablets gegenüber. Das bedeutet einen Anstieg von 28 Prozent. Nutzer, die über Tablets surfen, gaben letztes Jahr auch über 50 Prozent mehr für Käufe aus als Internetnutzer, die über Smartphones ins Netz gingen. Zudem gaben Tablet-Nutzer laut Adobe Digital Index 20 Prozent mehr Geld für Käufe aus als Nutzer von Desktop-PCs oder Laptops. Dank ihrer ergonomischen Form eignen sich Tablets wunderbar dazu, auf ihnen zu lesen, Videos zu schauen oder Spiele zu spielen. Und da sie immer leistungsstärker und günstiger werden, wirken sie immer schneller auf unsere Online-Gewohnheiten und unsere Erwartungen an die Inhalte, die wir konsumieren, ein.

Nehmen wir beispielsweise die erweiterte E-Book-Version der Muhammad-Ali- Biografie Leben, Werk, Wirkung. Darin spricht der „der Größte“ selbst zu den Lesern und erklärt ihnen, wie es ihm gelingt, „wie ein Schmetterling zu tänzeln und wie eine Biene zuzustechen“. Es handelt sich um ein frühes Beispiel dafür, wie sich verschiedene Kategorien von Online-Medien vermischen. Insbesondere im Zusammenhang mit Kinderbüchern wird dieser noch neuartige Multimedia-Ansatz genutzt. Bald schon werden auch in Kochbüchern Rezepte anhand von Demonstrationsvideos veranschaulicht werden.

Gleichzeitig ermöglichen es uns die sozialen Netzwerke, auf neue Art und Weise mit Medien zu interagieren. Mittels E-Book-Lesegeräten können Randnotizen geteilt werden und Musikliebhaber haben die Möglichkeit, gemeinsam Musikkompilationen zu erstellen. Freunde, die in unterschiedlichen Städten leben, können über ein Google+ Hangout YouTube-Videos anschauen. Aufgrund dieses neuen geteilten Umgangs mit Inhalten prüfen Rechteinhaber neue Optionen. Dazu gehören beispielsweise der durch Abonnements oder Werbung finanzierte Zugriff sowie ganz neue Modelle, die auf bestimmte soziale Kontexte ausgerichtet sind. Google Play ermöglicht es Nutzern beispielsweise, mit ihren Google+-Freunden kostenlos Titel zu teilen, die sie käuflich erworben haben.

Internet, Tablets und Smartphones erzeugen völlig neue Medien-Erlebnisse – da wird der Fernseher in Ihrem Wohnzimmer mithalten müssen. Bald werden Fernseher und Stereoanlage Ihrem Smartphone entnehmen, welche Musik oder Filme Sie hören oder sehen möchten, wenn Sie nach Hause kommen. Fernseher werden nicht nur alle möglichen Medien auf Abruf per Streaming übertragen. Sie werden auch neue Möglichkeiten im Zusammenhang mit E-Commerce und sozialen Netzwerken erschließen und interaktiv zur Information über die neuesten Nachrichten genutzt werden. Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli sagt für dieses Jahr voraus, dass der Markt für internetfähige Fernseher um etwa 60 Prozent auf 95 Millionen Geräte steigen wird. Bei herkömmlichen Fernsehern hingegen wird die Zunahme nur 2 Prozent betragen.

Verständlicherweise stellt sich die Frage, ob diese Flut an Inhalten nicht unsere Zeit völlig mit Beschlag belegen und unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit untergraben wird. Allerdings haben Forscher herausgefunden, dass regelmäßiges Spielen nicht nur das Glücksgefühl erhöht, sondern auch zur Produktivitätssteigerung beitragen kann. Viele Unternehmen, für die Innovation sehr wichtig ist – darunter Google –, ermutigen ihre Mitarbeiter, sich Zeit zum Spielen zu nehmen. Wenn man sich eine Zeit lang nicht mit einem Problem beschäftigt, hat das Unterbewusstsein die Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen. Das kann zu plötzlichen kreativen Eingebungen führen.

Es ist ein schöner Gedanke, dass außergewöhnlich kreative Ideen dadurch entstehen können, dass wir an stressigen Tagen Zeit finden, um zu spielen. Eins wissen wir ganz sicher: Eine Zukunft, die durch Spielen inspiriert wird, wird nicht langweilig sein.