YouTube feiert in einem Monat sein zehnjähriges Bestehen. Auf YouTube konnten wir in den letzten zehn Jahren allerhand interessante, unterhaltsame und kuriose Videos ansehen, von Elefanten über Stratosphärensprünge bis zum Gangam Style. Doch bevor all die Feierlichkeiten beginnen, zunächst ein kleiner Ausblick in die Zukunft. Zusammen mit Nick Cohen, Vice President von Little Dot Studios, Lisa Tookey, Commercial Director bei Jamie Olivers Food Tube, und Dan'l Hewitt, Managing Director der Maker Studios in Großbritannien, wagte ich eine Prognose der kommenden Trends.

Inhalt

Zukünftig wird YouTube von intensiver gepflegten, zunehmend programmierten, nach einem Skript ablaufenden und qualitativ höherwertigen Inhalten geprägt. Die Produzenten werden nicht mehr in allen Videos auf ihrem Kanal zu sehen sein, sondern zunehmend die Rolle eines Verwalters einnehmen. Sie werden Videos veröffentlichen, in denen sie zwar nicht selbst auftreten, die sie aber billigen und empfehlen, sodass manche YouTube-Kanäle zu eigenständigen kleinen Netzwerken heranwachsen werden. Zusätzlich wird für viele künftig auch Programmieren eine wichtigere Rolle spielen. "Wenn das geschieht, wird erheblich mehr in die Inhalte investiert werden", so Dan'l Hewitt. "In manche Produktionen wird sehr viel Geld gesteckt werden, um eine große Anzahl an Nutzern zu erreichen."

Nutzer

Es lässt sich bereits jetzt ein deutlicher Wandel in der Zusammensetzung der YouTube-Nutzergruppe feststellen. Zum einen werden die jungen Leute, die die Plattform bereits regelmäßig nutzen, erwachsen. Doch gleichzeitig kommen zahlreiche neue Nutzer aller Altersgruppen hinzu. Die demografische Struktur verändert sich bereits, und insgesamt werden die attraktivsten Zielgruppen immer umfangreicher. "Bislang sahen viele Unternehmen YouTube als Plattform für junge Leute", erläuterte Nick Cohen. "Doch sie gewinnt zunehmend an Wert, da immer mehr attraktive Zielgruppen auf YouTube zu finden sind."

Werbung

Schon bald wird Videowerbung im Internet für Unternehmen eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher. "Viele Unternehmen stellen einfach ihre Werbespots fürs Fernsehen auf YouTube ein", so Hewitt. "Sie würden doch auch nicht Ihre Buswerbung hernehmen und in einem Magazin veröffentlichen. Oder Radiowerbung als Anzeige in einer Zeitung schalten. Wir haben es hier mit einem eigenen Medium zu tun, und es ist wichtig, dass Unternehmen das begreifen."

Nike und Adidas haben es vorgemacht: Beide veröffentlichten zum Auftakt ihrer Werbekampagnen zur Fußball-Weltmeisterschaft fünfminütige Videos und verwendeten Ausschnitte daraus für ihre Werbespots im Fernsehen. Dies ist genau die entgegengesetzte Vorgehensweise zum bisherigen Ansatz, die sich sicher immer weiter verbreiten wird. Ein Unternehmen erstellt zunächst Videos fürs Web und verwendet diese dann als Grundlage für seine Fernsehwerbespots.

Verhalten von Unternehmen

Wie können Unternehmen angesichts dieses rasanten Wandels auf Erfolgskurs bleiben? Für Lisa Tookey läuft alles auf Agilität und Vertrauen hinaus. "Die Produktion dauert manchmal nur wenige Stunden. Nach dem Filmen können Videos so schnell wie viele andere Creatives veröffentlicht werden. Aber es gehört schon etwas Fingerspitzengefühl dazu, das jeweilige Unternehmen so einzubinden, dass das Ganze authentisch und professionell wirkt." Anscheinend liegt das Geheimnis darin, etwas Kontrolle abzugeben, um im Gegenzug schneller agieren und das vorhandene Wissen optimal nutzen zu können. "Unternehmen sollten ruhig etwas mehr wagen. Sie sollten darauf vertrauen, dass die Produzenten und anderen Beteiligten die Wünsche der Nutzer gut kennen und wissen, wie man Unternehmen am besten einbindet."