Einblicke in die Google-Suche: Was brauchen Nutzer in diesen unsicheren Zeiten? Ausgabe vom 25. Mai 2020

Lucy Sinclair / Juni 2020 / Markteinblicke

Lucy Sinclair ist Director of Market Insight bei Google für die EMEA-Region. Gemeinsam mit ihrem Team analysiert sie, wie und warum Nutzer ihr Verhalten ändern. In dieser regelmäßig aktualisierten Artikelserie erläutert sie, was Menschen in dieser außergewöhnlichen Zeit beschäftigt.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weltweit zu spüren. Dementsprechend haben sich auch die Kundenbedürfnisse und das Nutzerverhalten geändert. Das wiederum stellt Werbetreibende vor neue Herausforderungen. Wir informieren Sie regelmäßig über die aktuellen Google Trends-Statistiken für die EMEA-Region. So wissen Sie, was Ihren Kunden wichtig ist, und können ihnen in dieser außergewöhnlichen Zeit nützliche und relevante Botschaften präsentieren. Mithilfe von Google Trends können Sie Änderungen im Suchinteresse auch jederzeit selbst verfolgen und analysieren.

Allmählich stellen sich die Menschen auf die neue Situation ein und es zeichnen sich einheitlichere Trends ab. Deshalb konzentrieren wir uns bei unseren Analysen auf die wesentlichen Änderungen im Nutzerverhalten und die möglichen langfristigen Auswirkungen für die Zeit nach dem Lockdown.

Unser Interesse gilt fünf Kernbereichen:

  1. Informationen: Suche nach schnellen und präzisen Informationen aus zuverlässigen Quellen
  2. Beruf und Finanzen: berufliche und finanzielle Veränderungen
  3. Wohlbefinden: Gesundheit, Fitness und soziale Kontakte
  4. Lernen: formale und informelle Bildung für Kinder und Erwachsene

Verbraucherverhalten: geänderte Konsuminteressen

Einblicke in die Google-Suche: Was brauchen Nutzer in diesen unsicheren Zeiten? Ausgabe vom 25. Mai 2020

Die in diesem Artikel behandelten Google Trends-Statistiken zeigen: Es besteht nach wie vor starkes Suchinteresse an bestimmten Themen. Dazu zählen Richtlinien zu systemrelevanten und nicht systemrelevanten Dienstleistungen, Informationen zu finanziellen Unterstützungen sowie Tipps im Zusammenhang mit dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden. Daneben sind aber auch einige neue Trends zu erkennen. In den letzten Wochen zeigen sich die Nutzer besonders wissensdurstig. So haben Suchanfragen nach Anleitungen der etwas ausgefalleneren Art (z. B. zur Pflege von Kaulquappen oder zum Schneiden von Korsetts) stark zugenommen. Auch in Suchkategorien wie Bekleidung, Unterhaltungselektronik und Immobilien ist ein Anstieg des Volumens zu verzeichnen.

1. Informationen: Suche nach Richtlinien zu systemrelevanten und nicht systemrelevanten Dienstleistungen

Die Regierungen in der EMEA-Region beginnen, die Lockdown-Maßnahmen mehr oder weniger stark zu lockern. In dieser Situation greifen die Nutzer zunehmend auf die Google-Suche zurück, um nützliche aktuelle Informationen und Richtlinien zu systemrelevanten und nicht systemrelevanten Dienstleistungen zu erhalten.

Google Trends zufolge wurde in Deutschland in den letzten Wochen häufig der Suchbegriff darf man verwendet. In Italien wurde nach Richtlinien (linee guida) für Restaurants, Salons usw. gesucht, in Polen nach Richtlinien (wytyczne dla) etwa für Salons, Friseure und Restaurants, in Israel nach Öffnungszeiten (שעותפעילות) von Banken, Postämtern usw. und in Frankreich nach Informationen zur Öffnung (ouverture des) etwa von Stränden, Campingplätzen und Restaurants.

Mit dem Herannahmen der Hochzeitssaison nimmt auch die Unsicherheit im Hinblick auf die Planung entsprechender Veranstaltungen zu. Nutzer in Polen suchen nach wesela koronawirus (Hochzeit Coronavirus) und in der Türkei ist die Zahl der Suchanfragen nach düğünler ne zaman ("wann sind Hochzeiten") gestiegen.

Einblicke in die Google-Suche: Was brauchen Nutzer in diesen unsicheren Zeiten? Ausgabe vom 25. Mai 2020

2. Beruf und Finanzen: Suche nach Stellenangeboten und staatlichen Unterstützungsprogrammen

Die Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzen von Unternehmen und Privatpersonen. Deshalb besteht nach wie vor ein großes Suchinteresse für Finanzthemen. In den letzten zwei Wochen haben die Suchanfragen zu Stellenangeboten und staatlichen Unterstützungsprogrammen in der gesamten EMEA-Region weiter zugenommen.

In Frankreich haben die Nutzer nach Saisonarbeiten gesucht (emploi saisonnier), in Belgien und Italien nach Stellenangeboten (offre emploi bzw. offerte lavoro), in Deutschland nach teilzeit jobs und in Saudi-Arabien nach Telearbeit (وظائفعنبعد). In Polen ist Zahl der Suchanfragen nach na rozpoczęcie działalności (ein Unternehmen gründen) gestiegen.

Im Vereinigten Königreich hat Google Trends zufolge das Suchinteresse am Unterstützungsprogramm für Selbständige (self employment income) zugenommen. Und in Spanien wächst das Interesse am existenzsichernden Mindesteinkommen (ingreso minimo vital), dem neuen Programm zur sozialen Absicherung schutzbedürftiger Haushalte von Alleinerziehenden. Hierbei handelt es sich um ein permanentes Programm. Es ist sicherlich interessant, zu verfolgen, welche der in den verschiedenen Ländern eingeführten Änderungen auch langfristig, über das Ende der Pandemie hinaus Bestand haben werden.

3. Wohlbefinden: durch körperliche Betätigung und gesunde Ernährung fit bleiben

In vielen Ländern der EMEA-Region gilt nun schon seit etlichen Monaten ein mehr oder weniger strenger Lockdown. In dieser Situation ist es vielen Menschen wichtig, auch in den eigenen vier Wänden etwas für ihre körperliche und psychische Gesundheit zu tun. Trainingshallen und Fitnessstudios sind in vielen Ländern geschlossen und es wird weniger gereist und gependelt. All das bleibt nicht ohne Folgen für die Fitness und das allgemeine Wohlbefinden.

Google Trends zufolge steigt in Ägypten die Zahl der Suchanfragen nach الصحةالنفسية(psychische Gesundheit). In Spanien wird zunehmend nach diario de yoga (Yoga-Tagebuch) gesucht, in Südafrika nach exercise bike (Hometrainer) und in Polen nach dieta ketogeniczna (ketogene Diät). In der Türkei schließlich nimmt das Suchvolumen für günde kaç kalori (wie viele Kalorien pro Tag) zu.

Einblicke in die Google-Suche: Was brauchen Nutzer in diesen unsicheren Zeiten? Ausgabe vom 25. Mai 2020

Außerdem erkundigen sich Nutzer auch danach, wann sie wieder ihre Wohnungen verlassen dürfen und was sie dann unternehmen können. So haben in Deutschland, wo es bereits zu erheblichen Lockerungen gekommen ist, in den letzten Wochen die Suchanfragen nach fitnessstudio zugenommen. Im Vereinigten Königreich sind es die Suchanfragen nach Tennisplätzen (tennis courts).

4. Lernen: mehr Suchanfragen nach Anleitungen in Nischenkategorien

In einigen Ländern der EMEA-Region öffnen die Schulen allmählich wieder. Die Zahl der Suchanfragen nach Online-Lernangeboten ist deshalb aber keineswegs zurückgegangen. Die Onlinebildung hat nach wie vor für viele einen hohen Stellenwert. Das gilt nicht nur für Menschen im traditionellen Bildungssystem, sondern auch für solche, die die neu gewonnene Zeit zu Hause nutzen, um sich neue Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen. Die Nutzer zeigen sich wissensdurstiger: Google Trends zufolge haben in den letzten Wochen Suchanfragen nach Anleitungen in Nischenkategorien zugenommen.

In der Türkei wurde nach yayınları online (Onlineveröffentlichungen zu Prüfungen) sowie dil öğrenme (Sprachen lernen) gesucht und in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach التعلمعنبعد(Fernunterricht). Dagegen suchen die Nutzer in Polen nach domowe sposoby (Hausmittel), im Vereinigten Königreich nach Anleitungen (how to look after) etwa zur Pflege von Kaulquappen, Orchideen oder Kätzchen, in Nigeria nach Schnittanleitungen (how to cut) beispielsweise für Kleidung oder Korsetts und in Ägypten nach Anleitungen zum Schreiben etwa von Quellenangaben, Aufsätzen oder wissenschaftlichen Arbeiten.

5. Verbraucherverhalten: geändertes Konsum- und Suchinteresse

In der EMEA-Region steigt das Interesse für Einzelhandelskategorien wie Bekleidungund Unterhaltungselektronik allmählich wieder auf das Niveau vor der Pandemie: Die Verbraucher sehen sich nach neuer Kleidung und Elektronikgeräten für den persönlichen Gebrauch um.

In den letzten Wochen hat sich das Nutzerverhalten geändert. In Dänemark hat das Suchinteresse für ternet bukser (karierte Hosen) zugenommen und in Spanien das für ropa tallas grandes (Kleidung in Übergrößen). In Südafrika ist zunehmend nach Sneakern (sneakers for) sowie smart tv gesucht worden, in Polen nach portfel damski (Damengeldbeutel), im Vereinigten Königreich nach gaming monitor (Bildschirm für Spiele), in Belgien nach Bluetooth-Lautsprechern und in Nigeria nach laptop.

Auch das Interesse an der Kategorie Immobilien wächst. Google Trends zufolge haben in Belgien und Frankreich besonders die Suchanfragen nach zu verkaufenden Häusern zugenommen (huis te koop bzw. maison a vendre) und in Spanien die nach zu vermietenden Häusern (casas en alquiler).

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Weitere Trends im Suchverhalten von Nutzern entdecken

In unserer Statistiksammlung zu Suchanfragen finden Sie alle unsere Analysen aktueller Trends. Mit diesen Statistiken liefern wir regelmäßig Momentaufnahmen von Entwicklungen und Änderungen des Nutzerverhaltens in der EMEA-Region. Unter Umständen ist es aber auch nützlich, Informationen häufiger oder für bestimmte Länder und Regionen zu analysieren. Hier finden Sie zehn Tipps dazu, wie Sie mit Google Trends weitere Erkenntnisse gewinnen. Wenn Sie einen Suchbegriff oder ein Thema eingeben, erfahren Sie nahezu in Echtzeit, wonach Google-Nutzer in aller Welt suchen.

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