Corona hat den digitalen Wandel beschleunigt. Jetzt ist es an der Zeit, ihn zu gestalten

Janusz Moneta, Lucy Sinclair / Juli 2020

Durch die derzeitige Situation findet aktuell eine Verlagerung in die digitale Welt statt. Technologien sind präsenter denn je: ob bei der Arbeit, in der Freizeit oder bei der Pflege sozialer Kontakte. Und dadurch hat sich auch der Umgang mit ihnen verändert. Viele Länder kehren gerade nach und nach zu einer neuen Normalität zurück. Unternehmen sollten die Situation nutzen und ebenfalls einen Neuanfang wagen. Dabei gilt es, die Geschäftsmodelle so umzustellen, dass sie den aktuellen Erwartungen an die digitale Welt entsprechen. Wir möchten Unternehmen dabei unterstützen, die sich verändernden Kundenbedürfnisse zu erkennen und auf die Anzeichen eines Aufschwungs reagieren zu können, um die Zukunft erfolgreich in die eigene Hand zu nehmen.

Wie hat sich also der Einsatz digitaler Technologien verändert? Und wie können Sie sich der neuen Normalität anpassen?

Auswirkungen der vermehrten Nutzung von digitalen Technologien auf das Verbraucherverhalten

Statistiken zur Google-Suche in Google Trends belegen, dass sich die Allgemeinheit immer häufiger in der digitalen Welt bewegt. Das ist erst einmal keine Überraschung. Seit den Ausgangsbeschränkungen in vielen Ländern werden vermehrt Online-Kanäle genutzt, um soziale Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts zu pflegen. Erstaunlich ist allerdings, wie schnell sich alle auf die neue Situation eingestellt haben und wie viele verschiedene Online-Dienste inzwischen angeboten und verwendet werden.

Jetzt ist der Zeitpunkt, sich neu auszurichten, größer zu denken und sein Business an die digitalen Erwartungen anzupassen.

Online-Shopping nimmt zentrale Rolle ein

Während der Ausgangsbeschränkungen sind viele dazu übergegangen, ihre Einkäufe online zu erledigen. So liegt die Anzahl der Suchanfragen wie „online kaufen“ in Deutschland nach einem starken Anstieg im März noch immer über Vorjahresniveau. Weltweit hat sich die Anzahl an Suchanfragen wie „onlineshopping“ oder „wie kaufe ich online ein“ seit März sogar verdoppelt. Bis der Kundenverkehr in Geschäften wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht hat, könnte es noch einige Zeit dauern. Das zeigen auch die Mobilitätsberichte von Google. Sie stellen Bewegungstrends in Diagrammform dar, aufgeschlüsselt nach Regionen und Ortskategorien – beispielsweise „Einzelhandel und Freizeit“, „Läden für den täglichen Bedarf“ oder „Bahnhöfe und Haltestellen“. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Zahlen für „Einzelhandel und Freizeit“ in vielen Ländern weiterhin niedriger sind als im Januar und Februar.

Neue Kundenbedürfnisse – neuer Umgang mit digitalen Technologien

Nicht nur der E-Commerce ist auf dem Vormarsch. Auch in anderen Bereichen nehmen Verbraucher vermehrt digitale Angebote in Anspruch. Ein Beleg dafür ist, dass sie inzwischen Dinge online erledigen, für die sie vorher nie oder nur selten digitale Kanäle verwendeten. Entsprechend ist die Anzahl von Suchanfragen wie „virtuell“, „online kurse“, „escape room online“, „online meeting“ oder „online yoga“ zeitweise stark angestiegen und befindet sich noch immer über dem Vorjahresniveau .

digital adoption during COVID inline

Auswirkungen der vermehrten Nutzung von digitalen Technologien auf Unternehmen

Ob zum Einkaufen, zur Weiterbildung oder um persönliche Kontakte zu pflegen – es wird immer mehr über digitale Kanäle erledigt. Folglich sind auch die Erwartungen von Verbrauchern in Bezug auf Online-Angebote gestiegen. Deshalb sollten Unternehmen aller Branchen und Größen ihre digitale Transformation voranbringen und sich dem neuen Verbraucherverhalten anpassen.

Mit dem digitalen Aufschwung Schritt halten

Eine neue Studie von McKinsey belegt, dass fast alle Organisationen, sowohl etablierte als auch Start-ups, ihre Geschäftsmodelle digitalisieren – als direkte Folge der Auswirkungen von Corona auf das Verbraucherverhalten. Letztes Jahr haben wir in einem Artikel berichtet, dass erstklassiges digitales Marketing sich auszahlt, weil Unternehmen dadurch ein Umsatzplus von bis zu 20 Prozent erzielen und 30 Prozent der Kosten einsparen können. Zu dem Zeitpunkt betrieben laut der BCG-Studie lediglich zwei Prozent der Firmen Multi-Moment-Marketing, während die anderen einer der früheren Reifephasen des digitalen Marketings zugeordnet wurden.

Die Untersuchung ergab außerdem, dass auf dem Weg zur digitalen Reife sechs Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. Diese sind für Unternehmen jetzt wichtiger denn je. Denn aufgrund der Gegebenheiten der letzten Monate waren Firmen gezwungen, die digitale Transformation voranzubringen. Diese sechs Maßnahmen machen es möglich:

  1. Eigene Kundendaten von mehreren Touchpoints verbinden
  2. Verknüpfung von Marketingzielen für einheitliche Markenziele
  3. Aufgaben automatisieren und individuelle Werbebotschaften für die bestmögliche Wirkung erstellen
  4. Strategische Partnerschaften mit gemeinsamen Marketingzielen eingehen
  5. Kenntnisse in den Bereichen Data Science und Analysen im Unternehmen durch Schulungen sowie Neueinstellungen erweitern
  6. Flexible funktionsübergreifende Teams einführen sowie eine Kultur, bei der das Lernen durch Experimentieren im Vordergrund steht

Im Artikel sind die einzelnen Faktoren ausführlich beschrieben. Außerdem bietet er nützliche Informationen für Unternehmen, die die nächste Stufe der digitalen Reife erreichen möchten. Dazu kann es in einem ersten Schritt sinnvoll sein, die aktuelle Stufe des eigenen Unternehmens zu bewerten.

Homeoffice bleibt

Viele Unternehmen gehen derzeit nach und nach dazu über, Mitarbeiter wieder ins Büro kommen zu lassen – sofern es die geltenden Richtlinien und Bedingungen bezüglich der Sicherheit zulassen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die flexiblen Arbeitsstrukturen auf lange Sicht beibehalten werden. 20 Prozent der deutschen Beschäftigten geben an, auch in Zukunft öfter im Homeoffice arbeiten zu wollen. Das bedeutet für Unternehmen: Interne Abläufe müssen digitalisiert werden, damit Teams weiterhin reibungslos von zu Hause aus tätig sein können. Im Zuge dieser Entwicklung ist auch die Nachfrage nach Bürozubehör und ‑technik wie etwa Videokonferenzsoftware für das Homeoffice stark gestiegen. Ein Beispiel ist Google Meet. Die tägliche Nutzung des kostenlosen Dienstes hat seit Januar um das 30-Fache zugenommen.

Jetzt den Neuanfang wagen und die digitale Transformation voranbringen

Sowohl Ihre Kunden als auch Ihre Mitarbeiter nutzen in der aktuellen Situation vermehrt Online-Kanäle. Deshalb ist es jetzt wichtiger denn je, dass Sie die digitale Transformation in allen Geschäftsbereichen umsetzen. Nur so können Sie Verbraucher gezielt ansprechen und ihre neuen Erwartungen erfüllen sowie langfristig Erfolg haben. Wir stellen Ihnen hier vier wichtige Punkte vor, die Sie dabei berücksichtigen sollten.

1. Kundenbedürfnisse neu bewerten

Das Verbraucherverhalten ändert sich schnell und lässt sich aufgrund der aktuellen Situation nicht vorhersagen. Deshalb sollten Werbetreibende immer wissen, wonach Konsumenten gerade suchen und welche Einzelhandelskategorien auf dem Vormarsch sind. So können sie ihre Angebote entsprechend anpassen.

2. Flexibel sein und schnell handeln

Seit der Corona-Krise haben viele Unternehmen ihre Kampagnen nach und nach umgestellt, um potenziellen Kunden zur richtigen Zeit relevante Anzeigen zu präsentieren. Einige haben sogar neue Geschäftsbereiche erschlossen, um auf das sich ändernde Verbraucherverhalten zu reagieren. Schnelligkeit und Flexibilität sind aber nicht nur in der aktuellen Situation von Vorteil. Auch in Zukunft sind Werbetreibende so optimal auf Veränderungen vorbereitet.

3. First-Party-Daten analysieren und verantwortungsvoll einsetzen

Mit selbst erhobenen Daten, also Kundeninformationen aus dem CRM und von anderen Touchpoints, lässt sich das digitale Marketing insgesamt optimieren. So können Firmen sich auf die neuen Bedingungen einstellen und gleichzeitig feste Fundamente für die Zukunft legen. Diese Daten sind besonders wertvoll für Ihr Unternehmen. Sie geben Ihnen nicht nur Aufschluss über Ihre Kunden, sondern auch über die Produkte und Dienstleistungen, für die sie sich am meisten interessieren. Sie sollten diese Informationen verantwortungsbewusst einsetzen, um einen transparenten Wertaustausch zu schaffen. Außerdem können Sie mithilfe dieser Daten Ihren Online-Auftritt verbessern, Beziehungen vertiefen, mehr Conversions erzielen und Ihren Return on Investment erhöhen.

4. Umdenken und Geschäftsmodell neu gestalten

In der dynamischen Situation der letzten Zeit haben sich viele Werbetreibende darauf konzentriert, den neuen Herausforderungen für ihr Unternehmen mit kurzfristigen Lösungen zu begegnen. Allmählich erholen wir uns von der Krise. Deshalb sollten Unternehmen die Gelegenheit beim Schopf packen und ihre kurzfristigen Lösungen zu einem neuen, flexibleren Geschäftsmodell ausbauen. Durch Automatisierung etwa können Sie sehr effizient schwankende Nachfragen erfassen und dadurch noch besser von ihren Werbeausgaben profitieren.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind wir alle technikaffiner geworden. Und Technologie kann uns jetzt helfen, schneller aus der Krise zu kommen. Für Unternehmen, die noch am Anfang des Wegs zur digitalen Reife stehen, ist das sicherlich eine große Herausforderung. Gleichzeitig bietet sich ihnen aber die Gelegenheit, jetzt die erforderlichen und oft grundlegenden Änderungen für ein modernes Geschäftsmodell umzusetzen. Wir sollten jetzt den Neuanfang wagen und die digitale Transformation voranbringen.

Verbrauchertrends in der jetzigen Situation im Blick behalten