Drei eigentümliche Trends: Wie YouTube unser Einkaufsverhalten beeinflusst

Earnest Pettie Oktober 2019 YouTube, Trends, Retail

Einfach das essen, was die Person vor uns in der Schlange bestellt. Oder das am schlechtesten bewertete Restaurant der Stadt ausprobieren. Klingt etwas irre? Sind aber die aktuellen Trends auf YouTube zum Einkaufsverhalten.

Wenn man früher nach Anregungen und Tipps für einen Kauf gesucht hat, ist man vielleicht ins nächste Geschäft gegangen oder hat Bekannte gefragt. Heute geht man online. So ist beispielsweise in den USA die Wiedergabezeit von YouTube-Einkaufsvideos von 2016 bis 2018 um mehr als das Fünffache gestiegen.1

Drei wissenswerte Trends bei Einkaufsvideos

Da sich so viele Nutzer diese Videos ansehen, überrascht es nicht, dass Beiträge zum Thema Einkauf in diesem Jahr weit oben in der Beliebtheitsskala stehen. Auf YouTube habe ich in diesem Zusammenhang drei eigentümliche neue Trends beobachtet.

Die Person vor mir entscheiden lassen

Die meisten von uns haben sich sicher schon einmal schwer damit getan, folgende einfache Frage zu beantworten: "Was möchtest du zu Abend essen?"

Der YouTuber Derek Gerard wollte dieses lähmende Gefühl, sich nicht entscheiden zu können, überwinden. Deshalb beschloss er, 24 Stunden lang genau dasselbe zu kaufen wie die Person vor ihm. Ob beim Fast-Food-Drive-in oder im Supermarkt – er ließ das Schicksal entscheiden. Und so kreierte er einen neuen Trend bei Einkaufsvideos. Zwischen Anfang April und Mitte Mai dieses Jahres wurden mehr als 1.200 Videos hochgeladen, die ganz in diesem viralen Trend lagen und bisher 75 Millionen Aufrufe erzielten.2

Auch wenn der Trend selbst vielleicht Nischencharakter hat, deutet er doch auf ein verbreitetes Phänomen beim Einkaufen hin: Wir haben so viel Auswahl, dass wir überfordert sind und nach Orientierung suchen – nicht nur bei unseren Lieblings-YouTubern. 70 Prozent der Käufer sind offen dafür, auch von Unternehmen auf YouTube mehr über Produkte zu erfahren.3

Die am besten und die am schlechtesten bewerteten Orte ausprobieren

Die große Mehrheit von uns – laut Pew Research 82 Prozent – liest vor einem Kauf Kundenbewertungen oder ‑rezensionen. Aber kann man diesen Beiträgen wirklich trauen? Untersuchungen lassen vermuten, dass dies nicht der Fall ist. Deshalb ist der folgende neue Trend interessant: YouTuber probieren die am besten und die am schlechtesten bewerteten Orte in ihrer Stadt aus.

Drei wissenswerte Trends bei Einkaufsvideos

Der Videotrend, der durch den YouTuber Philip Solo bekannt wurde, begann bei Restaurants und hat sich seither über die Gastronomie hinaus auf Hotels und sogar Schwimmbäder ausgeweitet. Dass Produktrezensionen auf YouTube beliebt sind, wussten wir bereits. Mehr als 55 Prozent der Nutzer suchen vor einem Kauf erst auf Google nach dem Produkt, um anschließend auf YouTube mehr darüber zu erfahren.4 Dieser aktuelle Trend zeigt, dass sich Verbraucher gern Rezensionen zu Unternehmen ansehen – und sei es auch nur zur Unterhaltung.

Alles kaufen, was jemand anderes schleppen kann

Challengevideos sind ein fester Bestandteil von YouTube und haben uns einige legendäre Momente auf der Plattform beschert. Ein neuer Trend, den ich beobachtet habe, hat Bezug zum Einkaufen.

Videos unter dem Motto "Anything you can carry, I'll buy" (Ich kaufe alles, was du schleppen kannst) wurden zuerst durch MrBeast bekannt: Der YouTuber lässt Freunde oder Familienangehörige planlos in einem Geschäft umherrennen. Er verspricht, ihnen alles zu kaufen, was sie zur Kasse schleppen können, ohne es fallen zu lassen. Dieser Trend bei Einkaufsvideos ist in den letzten Monaten weltweit stark zu beobachten, besonders aber in den USA und Großbritannien. Von dort stammen 54 Prozent bzw. 19 Prozent der Videos mit den entsprechenden Wortgruppen im Titel ("I'll buy" und "anything" bzw. "whatever").

Einkaufsvideos haben generell das Interesse der YouTube-Nutzer geweckt und in den letzten zwei Jahren eine Wiedergabezeit von mehr als 1.000 Jahren erreicht.5 Durch das Gameshow-Flair, verbunden mit dem Erlebnis einer Einkaufstour, werden Marken dem Verbraucher eher nahegebracht als mit einem herkömmlichen Werbespot.

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