Jedem seine eigene Primetime

Tara Walpert Levy April 2019 YouTube, Medien & Unterhaltung

Ein ähnlicher Artikel ist bereits bei Campaign erschienen.

Primetime – die Hauptsendezeit: Diese Begriffe hören sich im Jahr 2019 schon fast antiquiert an und es kommen einige Erinnerungen hoch. Früher gab es Sendungen im Fernsehen, die man einfach gesehen haben musste. Die TV-Zeitschrift wurde regelrecht "durchgearbeitet", um Lieblingssendungen zu markieren. Anschließend programmierte man den Videorekorder. Alle versammelten sich zu einer bestimmten Zeit vor dem einen Gerät, um sich die Sendung anzusehen, die gerade ausgestrahlt wurde. Das gehört jedoch schon lange zur Vergangenheit.

Stattdessen legen die Menschen heutzutage ihre eigene Primetime fest: Sie wählen den Bildschirm, die Inhalte und die Uhrzeit selbst aus. Nutzer sehen sich also dann Videos oder Filme an, wenn es ihnen passt, und möchten dabei bestimmte Bedürfnisse befriedigen. Aber nach welchen Kriterien gehen sie vor? Wir haben eine umfassende Studie mit der Omnicom Media Group durchgeführt. Diese ergab: Nutzer rufen Videos auf, die ihren Vorlieben entsprechen.1

Jedem seine eigene Primetime

Das klingt durchaus einleuchtend. Überraschend ist dabei aber, in welchem Maße dies zutrifft – insbesondere im Vergleich zu weiteren Aspekten, die in der Regel bei Primetime-Inhalten berücksichtigt werden. So sind Nutzern ihre Vorlieben 3 Mal wichtiger als die Mitwirkung berühmter Schauspieler im Film oder Video und 1,6 Mal wichtiger als eine hohe Produktionsqualität. Mehr als 60 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sich die Inhalte, die sie in den vorausgegangenen 24 Stunden auf YouTube angesehen hatten, auf ihre Interessen bezogen.2

Individuelle Primetime-Inhalte

Die neue Welt der personalisierten Onlinevideos ist noch ein Buch mit sieben Siegeln für Sie? Keine Sorge, da sind Sie nicht allein. Da jeder Nutzer andere Videos auf Plattformen wie YouTube aufruft, sind auch die persönlichen Primetimes ganz unterschiedlich und individuell.

Da jeder Nutzer andere Videos auf Plattformen wie YouTube aufruft, sind auch die persönlichen Primetimes ganz unterschiedlich und individuell.

Ich gebe zu: Früher habe ich nur zu bestimmten Zeiten den Fernseher eingeschaltet. Nachdem ich mich bei Google registriert hatte, habe ich in meinem Kalender einen Termin "YouTube schauen" gemacht. Zunächst zogen mich TED Talks und Late-Night-Shows in ihren Bann. Später entdeckte ich weitere YouTuber und Kanäle wie Marques Brownlee und Postmodern Jukebox. Ich habe auch alte Gewohnheiten wieder aufleben lassen und mir Serien wie Cobra Kai angesehen. Das ist sozusagen meine Primetime.

Vor Kurzem habe ich nach etwas gesucht, was ich jeden Morgen als Aufwachritual gemeinsam mit meinen Söhnen machen könnte. Nachdem wir verschiedene Yoga-Kanäle auf YouTube ausprobiert hatten, stießen wir auf Yoga with Adriene. Genau das ist jetzt unser morgendlicher Muntermacher und unsere Primetime.

Heute entscheidet der Zuschauer

Es ist nur ein kleiner Augenblick, wenn wir ein Video aufrufen, um uns etwas Bestimmtes anzusehen. Aber er macht den Unterschied aus. Denn heutzutage entscheiden die Zuschauer und nicht die Fernsehsender über das Programm. Auf YouTube können alle Nutzer Videos hochladen, deshalb ist auch für jeden etwas Interessantes dabei. Die Auswahl ist schier grenzenlos: Es gibt Organisationstipps, Kochanleitungen, Nachrichten, sportliche Höhepunkte und vieles mehr – alles jederzeit aufrufbar.

Jeder legt also seine Primetime nach eigenen Bedingungen fest und Werbetreibende sollten diese Entwicklung berücksichtigen. Nutzer möchten direkt auf Inhalte zugreifen, die für sie nützlich sind und ihren Vorlieben entsprechen. Deshalb ist es an der Zeit, das Verhalten der Nutzer neu zu analysieren: Wie sehen sie sich Inhalte an? Wann setzen sie sich vor den Bildschirm? Was ist ihnen dabei wichtig? An diese neue Wirklichkeit müssen wir unsere Werbung anpassen.

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