Klischees über Bord werfen und Gamer auf YouTube erreichen

Gina Shalavi August 2019 YouTube, Global, Gaming

Es gibt einige Vorurteile und falsche Annahmen zur Gamingwelt. Etwa, dass Gaming eine reine Männerdomäne ist oder dass Videospiele meistens auf Konsolen gezockt werden und zu Vereinsamung führen. Wie andere unzeitgemäße Klischees halten sich auch diese überraschend hartnäckig. Und das, obwohl sich die Gamingindustrie unglaublich stark verändert hat. Sie ist globaler und vielfältiger denn je. Nur scheint dieser Imagewandel einigen Werbetreibenden entgangen zu sein.

Aber denjenigen, die diese eingefahrenen Vorstellungen überwinden, eröffnen sich enorme Geschäftsmöglichkeiten. Denn der weltweite Umsatz der Gamingbranche übersteigt den der Kino‑ und Musikindustrie zusammen. 2018 haben sich Zuschauer 50 Milliarden Stunden Gaminginhalte auf YouTube angesehen. Und tagtäglich sind über 200 Millionen angemeldete Gaming-Viewer auf der Plattform.1

Ich habe mit den weltweit besten YouTubern aus dem Gamingbereich gesprochen, um mir ein besseres Bild zu machen. Die folgenden vier Tatsachen sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie Onlinegamer erreichen möchten.

1. Nicht nur für Jungs

Wenn Sie einen typischen Gamer beschreiben sollten, würden Sie vermutlich einen Jungen im Teenageralter nennen. Und es ist wahr: Diese Altersgruppe liebt Spielekonsolen. Das Pew Research Center hat herausgefunden, dass 97 Prozent der US-amerikanischen männlichen Teenager Videospiele spielen, sei es auf dem Smartphone oder einem anderen Gerät. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. In Großbritannien z. B. sind 58 Prozent der Spieler auf Tablets weiblich. Auf dem Smartphone sind es 50 Prozent. Dass Gaming nicht mehr nur für Jungs ist, haben mir die YouTuber bestätigt.

"Es gibt nicht mehr den typischen Gamer. Etwa 70 Prozent meiner Zuschauer sind weiblich. Allerdings erstelle ich meine Inhalte für alle Interessierten, unabhängig vom Geschlecht", sagt Giovanna Baldino aus Brasilien, die den YouTube-Kanal MultiGirlBR betreibt. Und sie fügt hinzu: "Eines sollten Werbetreibende immer im Kopf behalten: Wenn ihre Inhalte nicht universell interessant sind, erreichen sie nicht alle potenziellen Kunden."

Das italienische Duo hinter Two Players One Console, einer der größten YouTube-Kanäle im Bereich Battle Royale, stimmt Baldino zu. "Wir haben viele Abonnentinnen und unser Publikum wird immer größer."

2. Von wegen Einzelgänger

Ein anderes weitverbreitetes Klischee unter Werbetreibenden in puncto Gaming ist das vom desinteressierten Kind mit einer tragbaren Konsole beim Abendessen. Oder auch die Vorstellung von einem Jugendlichen, der allein im Keller seiner Eltern Videospiele spielt. Diese Stereotype bewirken, dass Gaming als isolierend wahrgenommen wird. Die Realität sieht ganz anders aus, vor allem bei Spielen auf Mobilgeräten.2

"Smartphones sind an sich darauf ausgelegt, Menschen zu verbinden. Und das überträgt sich auch aufs Gaming", erklärt Ash, der US-amerikanische YouTuber hinter dem Kanal CWA Mobile Gaming. "Bei Spielen für Mobilgeräte geht es um Gilden, Allianzen und Klans. Man hat mit Tausenden – wenn nicht sogar Millionen – gleichgesinnter Spieler auf der ganzen Welt zu tun. Deshalb wachsen diese Spiele auch superschnell und werden immer beliebter."

Klischees über Bord werfen und Gamer auf YouTube erreichen

Die soziale Komponente von Gaming kam auch bei unseren Umfragen immer wieder durch. Mehr als die Hälfte der YouTube-Gamer hält YouTube für die geeignete Plattform, um mit der Gaming-Community in Kontakt zu bleiben. Fast 70 Prozent der Spielerinnen sehen sich Gamingvideos auf YouTube an, wenn sie sich mit Gleichgesinnten austauschen möchten.

3. Gaming kennt keine Landesgrenzen

Gaminginhalte werden häufiger als andere Genres auf YouTube über Landesgrenzen hinweg angesehen. Sprachliche, zeitliche oder kulturelle Barrieren sind dabei offensichtlich nicht zu überwinden: "Für uns gibt es keine Grenzen", bestätigt Baldino. "Gaminginhalte sind weltweit relevant, weil alle zur selben Zeit dasselbe Spiel spielen."

Theoretisch kann ich überall auf der Welt einen meiner Kanalabonnenten treffen.

Auch Ash ist dieser Meinung. Er selbst lebt in den USA, aber nur 33 Prozent seiner Zuschauer sind Landsleute. "Theoretisch kann ich überall auf der Welt einen meiner Kanalabonnenten treffen. Viele von ihnen sprechen kein Englisch. Sie achten weniger auf meine Kommentare als vielmehr auf das Game. Im Grunde ist das unsere gemeinsame Sprache." Deshalb der Ratschlag an Werbetreibende: Gestalten Sie das Marketing einfach genauso universell wie die Videospiele.

4. Gamer sind von Natur aus skeptisch

"Gamer sind von Natur aus kritisch und skeptisch", betont Ash. Das kann Werbetreibenden die Arbeit erschweren, denn Gamer erkennen betrügerische und unechte Absichten schon von Weitem.

Die Lösung des Problems? Finden Sie am besten jemanden aus dem Bereich, der schon eine Beziehung zu Ihrer bevorzugten Zielgruppe aufgebaut hat. "Wenn man Werbung für Gamer macht, braucht man einen Insider. Jemanden, dem die Zuschauer schon vertrauen", bestätigt Ash.

Aber vergessen Sie nicht: Diesem Vertrauen folgt die Verantwortung. Alle meine Gesprächspartner halten Transparenz, Authentizität und Support für die wichtigsten Zutaten einer erfolgreichen, symbiotischen Beziehung zwischen Unternehmen und YouTuber. Auch das Duo hinter Two Players One Console ist dieser Meinung: "Bevor Werbetreibende gesponserten Content anbieten, müssen sie die Gamingkultur auf YouTube verstehen. Passt die Marketingstrategie zu YouTube, wird sich auch der Erfolg einstellen."

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