5 Schritte zur Internationalisierung Ihrer App

Pietro Bagnasco
/ Februar 2019 / Mobile, UX & Design

Eine Version dieser Anleitung wurde ursprünglich in der kostenlosen App Primer von Google veröffentlicht.

Sie haben eine mobile App auf den Markt gebracht und möchten sie jetzt weltweit anbieten? Auf den ersten Blick scheint die Einführung einer App auf dem internationalen Markt ganz einfach zu sein: Text übersetzen und fertig, oder?

Ganz so leicht ist es dann aber doch nicht. Die App sollte außerdem an die Vorlieben und Besonderheiten eines Markts angepasst werden. Nutzer wissen es nämlich zu schätzen, wenn sich eine App "wie für sie gemacht" anfühlt. Eine reine Übersetzung führt da nicht unbedingt zum Erfolg.

Es lohnt sich also, etwas mehr Aufwand zu betreiben, um Anpassungen für den neuen Markt vorzunehmen. Wenn eine App gut lokalisiert ist, kann dies dazu führen, dass sie mehr Nutzer installieren, verwenden und weiterempfehlen.

5 Schritte zur Internationalisierung Ihrer App

Folgen Sie der Anleitung unten, damit Ihre App bei Nutzern in unterschiedlichen Märkten besser ankommt.

Schritt 1: Geeignete internationale Märkte auswählen

Natürlich können Sie Ihre App in jedem beliebigen Markt anbieten – aber ist das auch sinnvoll? Ermitteln Sie zunächst, welche Märkte für Ihre App am besten geeignet sind.

Mit Tools wie Market Finder von Google können Sie eine erste Auswahl geeigneter Märkte treffen. Außerdem lässt sich anhand von Daten, unter anderem zur Nutzung von Mobilgeräten, zum App-Umsatz und zu Zahlungsmethoden, sowie angesichts der verschiedenen Optionen für die App-Lokalisierung eine Strategie für den internationalen Markt ausarbeiten.

Überprüfen Sie dann, ob Nutzer in diesen Märkten Ihre App bereits installieren, verwenden, Feedback geben und darüber in den sozialen Medien diskutieren. Grenzen Sie im Anschluss die Liste weiter ein.

Schritt 2: Kulturelle Gegebenheiten berücksichtigen

Nachdem Sie die Zielmärkte ermittelt haben, sollten Sie analysieren, wie und wofür Nutzer ihre Geräte verwenden. Kulturelle Unterschiede sind nämlich auch online zu erkennen, z. B. in den sozialen Medien sowie beim On­line­shop­ping, On­line­ban­king oder Gaming. Passen Sie Ihre App deshalb den örtlichen Gegebenheiten und Vorlieben an.

Beispiel: Nutzer können mit Ihrer App Restaurants vor Ort suchen. In einigen Ländern ist es vielleicht üblich, Essen über das Smartphone zu bestellen. In diesem Fall können Sie Ihrer App eine Lieferoption hinzufügen. In anderen Gegenden sind Lieferdienste möglicherweise nicht so beliebt oder es gibt sie gar nicht. Für diese Regionen können Sie die Option aus der App entfernen.

Schritt 3: App anpassen

Erarbeiten Sie anhand der Ergebnisse Ihrer Marktforschung das Design und die UX für Ihre App. Passen Sie Grafiken, Farben, Stil, Art der Ansprache, Funktionalität und Zahlungsmethoden für die jeweiligen Märkte an.

Wichtig ist aber auch, dass Ihre App trotz möglicher widriger Umstände in manchen Märkten funktioniert. So kann es z. B. sein, dass Ihre neue Zielgruppe ältere Hardware verwendet oder dass es in der Zielregion weniger Möglichkeiten gibt, den Akku aufzuladen. Auch Verbindungsprobleme müssen möglicherweise berücksichtigt werden.

Analysieren Sie die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten sowie die Kaufkraft der Nutzer im Zielmarkt und legen Sie dann fest, wie viel Ihre App kosten soll. Auch die Preise der Apps von Mitbewerbern können Anhaltspunkte sein. In der Google Play Console können Preise für Apps, In-App-Käufe oder Abogebühren automatisch in die jeweilige Landeswährung umgerechnet werden. Im Play Store lassen sich außerdem Preise nach örtlichen Gegebenheiten staffeln sowie Steuern für ausgewählte Länder hinzufügen.

Schritt 4: Sorgfältige Übersetzung anfertigen

Ermitteln Sie vor Beginn der Übersetzung die bevorzugte Sprache des jeweiligen Zielmarktes. Länder wie Kanada oder Indien haben z. B. mehrere Amtssprachen und im Arabischen, Chinesischen oder Spanischen gibt es sehr unterschiedliche regionale Varianten.

Legen Sie dann den Übersetzungsprozess fest. Wenn Sie einen professionellen Dienstleister beauftragen, sollten Sie Kontext zu Ihrer Zielgruppe und stilistische Richtlinien zur Verfügung stellen sowie den Eindruck beschreiben, der mit der App vermittelt werden soll. Dazu eignen sich insbesondere markenspezifische Styleguides und Glossare. Haben Sie keinen speziellen Übersetzungsdienst zur Hand, können Sie über die Google Play Console einen beauftragen und Ihre App, den Text für den Play Store sowie für In-App-Käufe lokalisieren lassen.

Auch die Marketingmaterialien wie der Name der App, eine Beschreibung sowie dazugehörige Bild-, Video- und Audiodateien sollten übersetzt werden.

Schritt 5: App vor und nach der Einführung testen

Lassen Sie die App nach der Lokalisierung und Übersetzung von Nutzern im Zielmarkt mit den dort üblicherweise verwendeten Geräten testen. Der Schwerpunkt sollte auf Fehlern bei der Formatierung, Präsentation oder im Text liegen.

Nehmen Sie anhand dieser ersten Testergebnisse Aktualisierungen vor und führen Sie einen Betatest durch, indem Sie die lokalisierte App einigen ausgewählten Nutzern zur Verfügung stellen. Nachdem Sie das Feedback dieser Testrunde implementiert haben, ist es soweit: Sie können Ihre App offiziell auf den Markt bringen.

Behalten Sie die Bewertungen und die Downloadstatistiken nach der Einführung im Blick, um schnell auf mögliche Probleme reagieren zu können. Wertvolle Informationen finden Sie insbesondere in den Rezensionen von Nutzern.

Sehen Sie sich auch an, wie Ihre App bei Google Play oder im App Store aussieht. Wenn nun immer mehr Nutzer Ihren App-Eintrag aufrufen, analysieren Sie, welche Kombination von Text und Grafiken zu den meisten Downloads führt.

Damit Sie in einem Markt dauerhaft Erfolg haben, müssen Sie Ihre App regelmäßig aktualisieren. Wenn Sie jedoch die richtigen Zielmärkte auswählen, der Lokalisierung genug Aufmerksamkeit schenken und die App vor sowie nach der Einführung testen, können Sie Ihrer App zu einem erfolgreichen Start in anderen Ländern verhelfen.

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