Mobile First: 4 Tipps für das beste mobile Erlebnis und steigende Conversions

Lars Bognar und Julius Schröder, beide Mobile Specialists bei Google, zeigen, wie Unternehmen das bestmögliche mobile Erlebnis für ihre Nutzer schaffen. Warum ist eine mobile Optimierung für die Performance unerlässlich und wie kann man so Conversion Raten steigern? Diese und weitere Fragen sowie konkrete Handlungsempfehlungen gibt es im Interview.

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Think with Google: Während die Nutzererwartungen steigen, verlieren viele Unternehmen Umsätze aufgrund nicht-performanter mobiler Seiten. Warum ist die mobile Optimierung ein Muss für Werbetreibende?

Lars Bognar: Wir beobachten immer wieder, dass die Branche die Bedeutung von Mobile unterschätzt. Eine mobile Optimierung, sowohl was das Design als auch die Ladegeschwindigkeit angeht, ist wesentlich für die Performance und wirkt sich direkt auf die Conversion-Raten aus. Das Wissen darüber ist teilweise noch nicht überall in der Branche angekommen, für Werbetreibende gibt es hier viele Optimierungsmöglichkeiten.

Julius Schröder: Wir wissen zum Beispiel für den Einzelhandel, dass eine Verzögerung der mobilen Ladezeit von nur einer Sekunde die Conversions um bis zu 20 Prozent senken kann.Mobile User sind extrem ungeduldig: Sie nehmen sich nur 50 Millisekunden Zeit, um einen Eindruck von einer Webseite zu gewinnen.2 Außerdem können Progressive Web Apps seit kurzem auch im Google Playstore gelistet werden. Dies bietet Unternehmen die Möglichkeit, auch ohne die Entwicklung einer nativen App, Nutzer über den Playstore zu erreichen.

Think with Google: Also heißt es, Speed zählt. Was wünschen sich Nutzer noch von einer mobilen Webseite?

Julius: Mobile User haben vor allem zwei Bedürfnisse: Sie wünschen sich Einfachheit und möchten auch mobil Webseiten so intuitiv nutzen, wie sie es auf dem Desktop-PC gewohnt sind. Der Kunde möchte so schnell wie möglich eine gewünschte Aktion auf der Seite ausführen, zum Beispiel eine Bestellung in Auftrag geben.

Think with Google: Was bedeutet das für die Webseitengestaltung?

Julius: Desktop-Webseiten können und sollten nicht einfach eins zu eins für Mobilgeräte nachgebaut werden. Denn Desktop funktioniert ganz anders - sei es bei Formularen, Fragebögen, der Anzahl von Feldern oder Buttons. Bei Mobile müssen auf einem viel kleineren Screen alle relevanten Funktionen untergebracht werden, gleichzeitig muss die Webseite schnell und die Gestaltung benutzerfreundlich sein. Es heißt bei all diesen Faktoren also: Mobile first! Denn der erste Eindruck zählt: Ein Großteil der Online-Einkäufer, 79 Prozent, kehrt nach einer schlechten Nutzererfahrung nicht wieder auf die jeweilige Webseite zurück.3

Think with Google: Kommen wir zu den technischen Details. Es gibt den Mythos, Accelerated Mobile Pages (AMP) ist eigentlich nur etwas für Publisher. Stimmt das? Und was hat es mit Progressive Web App (PWA) auf sich?

Lars: Nein, das ist nicht mehr ausschließlich so. Die Technologie AMP wurde ursprünglich für Publisher entwickelt. Mobile Speed ist aber in allen Industrien unerlässlich, weshalb AMP für jeden Webseitenbetreiber eine passende Lösung ist. Diese Technologie gewährleistet eine schnelle mobile Ladezeit.

Julius: Progressive Web Apps (PWAs) ermöglichen eine interaktive und intuitive Nutzung, ähnlich einer nativen App. Damit ist diese Technologie vor allem etwas für Webseitenbetreiber, die sich bereits tiefer im Marketing-Funnel bewegen. PWA bietet weitere Funktionalitäten, ist dabei nutzerfreundlich und schnell. Beide Produkte ‒ AMP und PWA ‒ können sehr gut koexistieren. Wir empfehlen, den schnellen Einstieg mit AMP zu garantieren und dann im weiteren Verlauf des Conversion Funnels erweiterte Funktionalitäten mit PWAs hinzuzufügen.

Think with Google: Wie bewertet ihr die Relevanz von mobiler Optimierung und Ladegeschwindigkeit für SEO?

Julius: Seit 2015 ist die mobile Optimierung einer Webseite ein Ranking-Faktor für die Google-Suche. Im selben Jahr gingen in den USA erstmals mehr Suchanfragen über Mobile als über Desktop ein.4 Mobile hat Desktop also überholt. Zusätzlich zur mobilen Optimierung ist seit vergangenem Jahr die mobile Ladegeschwindigkeit ein Ranking-Faktor geworden. Das heißt, dass langsame mobile Webseiten im Ranking benachteiligt werden.

Think with Google: Womit fangen Unternehmen am besten an?

Lars: Der erste Schritt besteht darin, den Status Quo der eigenen Webseite zu kennen. Dabei hilft unter anderem das Tool Test My Site, das erst kürzlich überarbeitet und um neue Features erweitert wurde. Es bewertet die Ladegeschwindigkeit von Webseiten sowie einzelnen Unterseiten und bietet die Möglichkeit, die eigene Ladezeit mit der von Mitbewerbern zu vergleichen. Zu guter Letzt können Webseitenbetreiber ausrechnen lassen, wie sich eine schnellere Webseite auf die eigenen Umsatzzahlen auswirken kann. Das Tool hilft auch dabei, nach der Prüfung des Status Quo direkt mit der Optimierung zu starten und gibt dazu individuelle Handlungsempfehlungen.

Think with Google: Was sind zusammenfassend die zentralen Erfolgsfaktoren, die Unternehmen dabei helfen, eine optimale mobile UX zu schaffen?

Lars: Wir haben insgesamt vier Learnings, die wir Unternehmen gerne mit auf den Weg geben wollen:

  1. Gründen Sie eine abteilungsübergreifende mobile Taskforce. Das ist die Grundlage für eine langfristige und nachhaltige Mobile-Strategie.
  2. Verstehen Sie Mobile als Kanal für Conversions: Wer wachsen möchte, muss Nutzern das bieten, was sie wollen. Eine mobiloptimierte und schnelle Seite setzt genau dort an und verhindert, dass Nutzer die Webseite vorzeitig verlassen.
  3. AMP ist eine industrieübergreifende Lösung, die ein schnelles Laden einer mobilen Webseite ermöglicht. PWA stellt die Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität in den Fokus. Die beiden Technologien können gemeinsam, aber auch unabhängig voneinander genutzt werden.
  4. Finden Sie mit dem neuen Test My Site-Tool heraus, welche Wachstumsmöglichkeiten Ihre mobile Seite bietet.
Mobile und UX
Mobile Geschwindigkeit: Jede Sekunde zählt