Was Werbetreibende in der Reisebranche jetzt wissen müssen

Rob Torres, Lutz Behrendt / August 2020
Zeichnung: Menschen mit Rollkoffern warten am Flughafen-Check-in. Sie halten sicheren Abstand zueinander. Ihre Hände sind durch eine dünne, schwarze Linie mit der Frau am Schalter verbunden.

Die Corona-Krise hat so gut wie jede Branche getroffen – besonders jedoch der Reisesektor musste starke Einbußen hinnehmen. So verwundert es nicht, dass eine kürzlich durchgeführte globale Studie aufzeigt, dass 90 Prozent der Werbetreibenden in der Reisebranche ihre Marketingbudgets rigoros gekürzt haben. Als Folge der nahezu komplett wegbrechenden Privat- und Geschäftsreisen waren viele Unternehmen gezwungen, ihre Kosten zu senken. Doch nach und nach nehmen sie den Betrieb wieder auf und auch die Menschen sind wieder bereit, zu reisen. In diesem Zusammenhang stellen die Marketingexperten sich zwei wesentliche Fragen: Wann sollen wir das Unternehmen wieder öffnen? Und wie sieht die neue Normalität beim Reisen aus?

Weltweit suchen Unternehmen nach der richtigen Balance zwischen den Sicherheitsbedürfnissen der Reisenden und der eigenen Wirtschaftlichkeit. Wann und wie der Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen wird, kann über das Überleben eines Unternehmens bestimmen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit Reisetrends, Daten und Strategien befasst, die Werbetreibenden in der Reisebranche dabei helfen können, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Wann sollten Unternehmen wieder öffnen?

Bei der Wiedereröffnung eines Unternehmens oder der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs spielen viele Faktoren eine Rolle. Ein wichtiger Aspekt ist die Nachfragesituation. Unsere Mobilitätsberichte zur Corona-Krise können Ihnen hier ein Bild der Lage in Ihrem Markt vermitteln. Dort werden Bewegungstrends dargestellt und nach Ortskategorien aufgeschlüsselt – beispielsweise für Einzelhandel und Freizeit, Läden für den täglichen Bedarf, Bahnhöfe und Haltestellen, Unternehmen oder Wohngebiete.

Wie sieht die neue Normalität beim Reisen aus?

Durch die Pandemie hat sich das Verhalten der Konsumenten geändert. Einige dieser Änderungen sind vermutlich nur vorübergehend, wie beispielsweise die Zunahme bei den Urlaubsstornierungen oder die Suche nach annullierten Flügen. Für die Suchanfragen „Reise stornieren“, „Flug stornieren“ und „Hotel stornieren“ haben wir im März 2020 gegenüber Januar desselben Jahres eine deutliche Zunahme festgestellt.1 Mit fortschreitender Öffnung der Länder gingen solche Anfragen wieder zurück – sie liegen jedoch noch immer über Vorjahresniveau. Auch zeigten sich zu den Ferienzeiten erneut vereinzelte, vorübergehende Anstiege, die die noch sehr fragile Situation deutlich machen.

Google-Suchinteresse an „Flug stornieren“ in Deutschland

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Andere Veränderungen dürften uns längere Zeit erhalten bleiben. Das gab es auch früher schon; man denke nur an die verschärften Kontrollen nach den Anschlägen vom 11. September. Tatsächlich gehen 70 Prozent der Europäer davon aus, dass sie ihre Reisegewohnheiten ändern werden.2 So geben beispielsweise 27 Prozent der Befragten in Deutschland an, nach der Krise mehr Urlaube im Inland zu planen.3 Passend dazu stiegen die Suchanfragen nach „Urlaub Deutschland“ oder „Urlaub Bayern“ an und auch das Suchvolumen für „Wohnmobil“, „Campingplatz“ und „mit dem Auto nach“ lag in diesem Jahr über dem Niveau der Vorjahre.4

Sicherheit ist ein neues Grundbedürfnis

Flexibilität und Sicherheit sind somit zum Muss geworden und die Branche ist daher eher bereit, Umbuchungs- oder Stornogebühren zu erlassen sowie auf eine gründliche Reinigung und Desinfizierung zu achten. Auf die Frage, was ihn zum erneuten Reisen bewegen würde, antwortete jeder Zweite mit „Gefühl von Sicherheit“.5

Was jetzt zu tun ist

Megafon und Sprechblase: 1. Frühzeitig Maßnahmen ergreifen; Browserfenster, darauf ein Liniendiagramm mit Punkten: 2. Relevante Trends beobachten; Computerchip, darauf ein Wachstumstrendpfeil: 3. Digitalisierung beschleunigen

Jetzt ist es wichtiger denn je, sich mit den Erwartungen der Nutzer zu beschäftigen und entsprechende Prioritäten zu setzen.

  • Frühzeitig Maßnahmen ergreifen: Mit automatisierten Marketingtechniken können Sie auf Änderungen im Nutzerverhalten reagieren. So haben Sie die Möglichkeit, die Nachfrage in Echtzeit zu bedienen.
  • Relevante Trends beobachten: Es empfiehlt sich, auch wesentliche Indikatoren außerhalb des Reisemarkts im Blick zu behalten. Wie sehen zum Beispiel die Suchtrends rund um Restaurants, Fitnessstudios oder Kinos aus? Lassen Sie diese Informationen in Ihre eigenen Daten einfließen, um sich besser auf einen Anstieg der Nachfrage einzustellen.
  • Digitalisierung beschleunigen: Mit Daten als Grundlage für Ihren Geschäftsbetrieb können Sie flexibler reagieren und agieren.

Da sich die Bedürfnisse der Kunden aktuell schneller und stärker ändern als zuvor, sind Aufmerksamkeit, Agilität und Anpassungsfähigkeit jetzt ganz besonders gefragt. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob und wann die Reisetätigkeit wieder auf ihr vorheriges Niveau zurückkehrt. Aber wir wissen, dass Menschen ihre Reisebereitschaft schon im Vorfeld zum Ausdruck bringen. Das kann für die erfolgreiche Wiedereröffnung der Branche und jedes einzelnen Unternehmens die entscheidenden Hinweise geben, um rechtzeitig und richtig zu handeln.

Rob Torres

Rob Torres

Industry Director, Travel at Google
Lutz Behrendt

Lutz Behrendt

Industry Leader, Travel at Google

Quellen (5)

1 Google Trends, Vergleich der Zeiträume Januar 2020 und August 2020.

2, 3, 5 GlobalWebIndex, Untersuchungen zum Coronavirus, Multi-Market-Studie, 3. Welle, weltweit, April 2020.

4 Google Trends, Zeitraum August 2015 bis August 2020.